Erklärung

Wir, die Teilnehmer der vierten Globalen Alkoholpolitik-Konferenz »Impulse zum Wandel: Forschung und Politik zur Reduzierung alkoholbedingter Schäden« in Edinburgh, Schottland am 7.–9. Oktober 2015, bekräftigen unser Bekenntnis zu weltweiten evidenz-basierten Maßnahmen zur Verringerung alkoholbedingter Schäden.

Wer sich nur etwas mit den Fragen einer vorbeugenden Alkoholpolitik beschäftigt, der weiß: Der Preis für alkoholische Getränke hat einen enormen Einfluss auf den Konsum. Das betrifft insbesondere den Preis von Niedrigpreis-Gebinden. Da war es schon eine interessante Nachricht, dass ALDI in seiner Werbung für diese Woche Schultenbräu-Pilsener zu einem absoluten Niedrigpreis anbietet. Die Dose für 0,29 Euro, also kostet der Liter 0,58 Euro. Aber das war – zumindest in unserer Region Ostwestfalen – noch nicht das billigste Bier.

Kompendium der deutschen AlkoholpolitikJürgen Schlieckau, Sozialtherapeut und pädagogischer Leiter der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik in Ahlhorn (Landkreis Oldenburg) befasst sich seit über 20 Jahren auch mit der Alkoholprävention. Sein Buch zu Alcopops lieferte 2004 die entscheidenden Argumente zu einer höheren Besteuerung dieser Getränke, die sich bewusst an jugendliche KonsumentInnen richteten, woraufhin der Markt dann zusammenbrach.

Nun hat er ein umfassendes »Kompendium der deutschen Alkoholpolitik« verfasst, das im disserta-Verlag erschienen ist. »Zum Schutz unserer Kinder und Jugendlichen brauchen wir eine wirksame Verhältnisprävention« ist Schlieckaus Credo, das den Untertitel des Buches darstellt. In der Verlagsbeschreibung zum Buch heißt es:

Poster zur CoA-Aktionswoche 2015Circa 2,65 Millionen Kinder wachsen in Deutschland mit suchtkranken Eltern auf. Sie sind die größte bekannte Risikogruppe für eine eigene Suchterkrankung und lebenslang hoch­gefährdet, psychische Krankheiten sowie soziale Störungen zu entwickeln. Kinder aus Suchtfamilien sind noch immer vergessene Kinder, die durch die Maschen der bestehenden Hilfesysteme allzu oft hindurchrutschen.

Keine angemessene flächendeckende Versorgung für Kinder aus Suchtfamilien

Der aktuelle Bundes-Drogenbericht bilanziert nüchtern, dass diese Kinder und ihre Familien »… derzeit nicht flächendeckend angemessen versorgt bzw. unterstützt werden.« Mehr noch: Die wenigen passgenauen Angebote aus dem Bereich der Suchthilfe, die in Deutschland für Kinder suchtkranker Eltern existieren, sind meistens unterfinanziert, haben keine Bestandssicherheit und sind für ihre Arbeit oft auf Spenden angewiesen. In Schulen und Kindergärten, wo nahezu alle Kinder erreicht werden könnten, ist der Umgang mit Kindern suchtkranker Eltern häufig von Unsicherheit geprägt. Aus Angst, das Falsche zu tun, unter­lassen die PädagogInnen oftmals das Mögliche.

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