Punktnüchternheit in Schwangerschaft und Stillzeit
Bild von Tawny Nina Botha auf Pixabay

Jedes Jahr kommen in Deutschland mehr als 12.000 Kinder mit alkoholbedingten Schädigungen zur Welt. Das Tragische daran: FASD (Fetal Alcohol Spectrum Disorder = Fetale Alkoholspektrum-Störung) ist zu 100 Prozent vermeidbar, wenn Frauen in der Schwangerschaft keinen Schluck Alkohol trinken. Nach Angaben von FASD-Deutschland leben jedoch nur zwei von zehn Frauen während der Schwangerschaft völlig alkoholfrei. Dies liegt vermutlich daran, dass ein Großteil der Bevölkerung nicht weiß, dass Alkohol schon in geringen Mengen schädlich für das ungeborene Kind sein kann.
Es bleibt daher eine dringende Aufgabe, schwangere Frauen und diejenigen, die eine Schwangerschaft planen, sowie ihre Partner so zu informieren, dass die Botschaft »kein Alkohol während der Schwangerschaft« auch ankommt. Die sicherste – und kostengünstigste – Lösung wäre natürlich ein entsprechender, gut sichtbarer und lesbarer Warnhinweis auf jedem alkoholischen Produkt und in jeder Werbung dafür.
Da die Alkoholindustrie nicht freiwillig bereit ist, für eine verantwortungsvolle Vermarktung ihrer Produkte zu sorgen, muss dies vom Gesetzgeber geregelt werden. In Australien, Neuseeland und Irland ist dies bereits der Fall. Und in Deutschland hat die Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung (ÄGGF) das Piktogramm einer informierten und selbstbestimmten Schwangeren entwickelt, das sich besser für entsprechende Warnhinweise eignet als das von einigen Alkoholproduzent*innen freiwillig verwendete, auf dem die Schwangere – und nicht das Getränk – durchgestrichen ist.

Solch ein Warnhinweis gehört auf die Vorderseite jeder Flasche Alkohol
Logo © www.aeggf.de und www.fasd-netz.de.
FASD-Aktionstag 2026
- von Frank Lindemann

Fetale Alkoholspekrumstörungen (FASD) sind die häufigste vermeidbare Ursache für neurologische Entwicklungsstörungen bei Kindern und betreffen weltweit schätzungsweise 25 Millionen Menschen unter 40 Jahren. Dennoch bleibt die Belastung weitgehend unsichtbar, da es in den meisten Ländern an Systemen zur Erkennung, Diagnose und Überwachung fehlt.
Neue Erkenntnisse, darunter im Jahr 2025 in Neuseeland veröffentlichte Regierungsdokumente, zeigen, wie die Alkoholindustrie Zweifel an den Risiken des Alkoholkonsums während der Schwangerschaft sät, Schätzungen zu FASD abtut und die Einführung von Warnhinweisen für Schwangere jahrzehntelang verzögert.
Anlässlich des Internationalen FASD-Aktionstags vereint dieser Schwerpunktartikel wissenschaftliche Erkenntnisse, die Einmischung der Industrie und bewährte politische Lösungen, die Regierungen die Mittel an die Hand geben, Kinder vor vorhersehbaren und vermeidbaren Schäden zu schützen.
Warum die Alkoholindustrie alles daran setzt, die Menschen über die Risiken von FASD im Unklaren zu lassen
- von Frank Lindemann


Das ist die einfache Botschaft, von der die Alkoholindustrie nicht möchte, dass Sie sie sehen – ein Warnsymbol, das die Öffentlichkeit über die Gefahren des Alkoholkonsums während der Schwangerschaft aufklären soll.
Angesichts ihres Widerstands gegen die gesundheitsbezogene Kennzeichnung von Alkoholprodukten in Irland stellt sich die Frage, warum die Industrie nicht möchte, dass die Öffentlichkeit mit Botschaften konfrontiert wird, die über die gesundheitlichen Gefahren von Alkohol aufklären – beispielsweise, dass Alkohol Lebererkrankungen verursacht, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Alkohol und tödlichen Krebserkrankungen besteht und welche Gefahren der Alkoholkonsum während der Schwangerschaft birgt.
FASD: Belastungen und Lösungsansätze
- von Frank Lindemann
Story Bridge in Brisbane am 9. September.
Die Belastung des ungeborenen oder neugeborenen Kindes durch Alkohol ist eines der augenfälligsten Beispiele für die Schädigung Dritter durch Alkohol. Das Problem ist auch von großer Tragweite. Die Prävalenz fötaler Alkohol-Spektrum-Störungen (FASD) bei Kindern und Jugendlichen in der Allgemeinbevölkerung liegt in 76 Ländern über 1 %.
Dies unterstreicht die Notwendigkeit von Maßnahmen im Bereich der Alkoholpolitik, von universellen Präventionsinitiativen, die auf den Alkoholkonsum von Müttern abzielen, von Screening-Protokollen und eines verbesserten Zugangs zu diagnostischen Diensten, insbesondere für bestimmte Bevölkerungsgruppen.
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