Frontalansicht des Storting, dem Parlamentsgebäude Norwegens in Oslo. Das historische Gebäude aus hellgelbem Backstein zeigt einen charakteristischen halbrunden Mittelbau mit Rundbogenfenstern, flankiert von zwei Seitenflügeln. Auf dem Dach weht die norwegische Flagge vor strahlend blauem Himmel. Vor dem Gebäude befinden sich eine steinerne Balustrade, Laternen und eine Bronzebüste.

Das Norwegische Institut für öffentliche Gesundheit (FHI) hat eine qualitative Halbzeitbewertung der norwegischen Nationalen Alkoholstrategie für den Zeitraum 2021 bis 2030 veröffentlicht. Die Bewertung wurde vom Ministerium für Gesundheit und Pflege in Auftrag gegeben, das das FHI beauftragte, sowohl die Umsetzung der Strategie zu bewerten als auch zu prüfen, ob Norwegens Ziel einer Senkung des Alkoholkonsums um 20 Prozent im Zeitraum von 2010 bis 2030 mit den derzeitigen politischen Instrumenten realistisch ist.

Die Strategie umfasst sechs Schwerpunktbereiche und 42 vorgeschlagene Maßnahmen zur Reduzierung des Alkoholkonsums. Das FHI kommt insgesamt zu dem Schluss, dass einige begrenzte und konkrete Maßnahmen umgesetzt wurden, während andere Teile der Strategie entweder verspätet in Angriff genommen wurden, nach wie vor unklar sind oder nicht ausreichend weiterverfolgt wurden. Die Arbeit an der Frühintervention im Gesundheitswesen, einem der umfassendsten Bereiche der Strategie, scheint für die meisten Maßnahmen erst im Frühjahr 2026 begonnen zu haben.

Die wichtigste Schlussfolgerung ist eindeutig: Das FHI hält es nicht für realistisch, dass Norwegen das Ziel für 2030 ohne den verstärkten Einsatz wirksamer Maßnahmen der Alkoholpolitik erreichen kann. Der registrierte Alkoholabsatz sank von 6,59 Litern reinem Alkohol pro Einwohner ab 15 Jahren im Jahr 2010 auf 5,98 Liter im Jahr 2025, was einem Rückgang von etwa 9 Prozent über einen Zeitraum von 15 Jahren entspricht. Um das Ziel für 2030 zu erreichen, müsste der Konsum in nur fünf Jahren um weitere 0,7 Liter sinken.

Das FHI weist darauf hin, dass regulatorische Maßnahmen – insbesondere in Bezug auf Preis und Verfügbarkeit – nach wie vor die wirksamsten Instrumente zur Senkung des Alkoholkonsums sind. In Norwegen gibt es bereits mehrere solcher Maßnahmen, darunter Alkoholsteuern, das Lizenzsystem, das Vinmonopolet-Monopol, Altersgrenzen, Beschränkungen der Öffnungszeiten und ein Verbot von Alkoholwerbung. Allerdings konnten vom FHI im Strategiezeitraum zwar Veränderungen festgestellt werden, doch gingen einige davon in eine liberalere Richtung. Die Zahl der kommunalen Ausschanklizenzen stieg von 2020 bis 2024 um etwa 10 Prozent, die Zahl der Verkaufslizenzen für Alkohol der Gruppe 1 stieg um etwa 2 Prozent, mehr Gemeinden erlaubten den Ausschank bis 03:00 Uhr, und die Zahl der Vinmonopolet-Verkaufsstellen stieg um etwa 5 Prozent.

Die Auswertung kommt zudem zu dem Ergebnis, dass einige der eher »weichen« Maßnahmen der Strategie – wie Aufklärung, Bildung, alkoholfreie Veranstaltungsorte und allgemeiner Kompetenzaufbau – zwar im Rahmen einer umfassenderen Alkoholpolitik von Wert sein mögen, es jedoch nur begrenzte Belege dafür gibt, dass sie den Gesamtkonsum senken. Das FHI betont insbesondere die Notwendigkeit, die Forschung zu den Auswirkungen und zur Umsetzung von Präventionsmaßnahmen zu verstärken, darunter systematische Vorsorgeuntersuchungen und Nachsorge im Gesundheitswesen, Gesundheitswarnungen auf Verpackungen, das Akan-Modell im Arbeitsleben sowie Instrumente zur Unterstützung der kommunalen Alkoholpolitik.

Um das Reduktionsziel von 20 % zu erreichen, kommt das FHI zu dem Schluss, dass Norwegen höchstwahrscheinlich ein Paket entschlossenerer Maßnahmen ergreifen müsste. Der Bericht nennt höhere Alkoholsteuern, die Verschärfung oder Abschaffung der Alkoholimportquote, die Einführung von Gesundheitswarnhinweisen sowie möglicherweise erhebliche Einschränkungen hinsichtlich der Anzahl der Verkaufs- und Ausschankstätten sowie der Verkaufs- und Ausschankzeiten. Das FHI weist zudem darauf hin, dass frühzeitige Interventionen im Gesundheitswesen verstärkt werden sollten, hält es jedoch für unwahrscheinlich, dass dies allein ausreichen würde, um den Gesamtalkoholkonsum bis 2030 ausreichend zu senken.

Ein politischer Kater: Norwegens Vorschlag für einen WM-Drink um 6 Uhr morgens

Liegende detailreiche Steinlöwen-Statue auf einem Sockel vor dem Storting, dem norwegischen Parlament in Oslo. Aufnahme aus Froschperspektive bei strahlend blauem Himmel, die gelbe Backstein-Fassade des Gebäudes mit neoromanischen Bögen im Hintergrund. Über dem Löwen schwebt ein digital eingefügter schwarz-weißer Fußball in der Luft.

Nach 28 Jahren Wartezeit hat sich die norwegische Fußball-Nationalmannschaft der Männer endlich für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Doch während sich die Fans auf die Spiele in den USA, Mexiko und Kanada vorbereiten, ist in der Heimat eine hitzige Debatte entbrannt. Was als populäres Wahlversprechen der Arbeiterpartei (Ap) begann, den Ausschank von Alkohol bis 6:00 Uhr morgens zuzulassen, hat sich schnell zu einem kontroversen politischen Streit entwickelt, den Kritiker*innen sowohl als »idiotisch« als auch als unverantwortlich bezeichnen.

Große Herausforderung: Norwegens Alkoholwerbeverbot in Sozialen Medien durchsetzen

Hand hält ein eingeschaltetes Smartphone neben einem Kaffeebecher auf einem Tisch.

In Norwegen ist seit 1975 jegliche Alkoholwerbung verboten. In einer Studie kam die Forscherin Ingeborg Rossow zu dem Schluss, dass das Werbeverbot eindeutig zu einem Rückgang des Alkoholkonsums geführt hat.