
Screenshot Handwerksblatt
Wir kehren aus dem Urlaub zurück und reiben uns verwundert die Augen: Carsten Linnemann, vor zwei Jahren vom Brauerbund zum »Botschafter des Bieres« gekürt, ist Gesundheitsminister geworden.
Der Brauerbund vergibt nach eigenen Angaben seit 2002 die Auszeichnung »Botschafter des Bieres« an »Persönlichkeiten, die sich für Handwerk und Mittelstand einsetzen«. Zu den bisherigen Botschafter*innen zählen Frank-Walter Steinmeier, Cem Özdemir, Ilse Aigner, Julia Klöckner, Ina Müller, Norbert Lammert, Barbara Schöneberger, Winfried Kretschmann und Anke Rehlinger.
Wir brauchen auch keine neuen Verbotsdebatten, wir brauchen Maß und Mitte und sollten die Eigenverantwortung des Einzelnen stärken.«
Carsten Linnemann, laut Handwerksblatt
Mit diesem Zitat aus seiner Dankesrede machte Linnemann deutlich, dass er ein hervorragender Lobbyist der Alkoholindustrie ist. Wie die Tabak- und Zuckerindustrie schiebt auch die Alkoholindustrie die Verantwortung für den Konsum ihrer gesundheitsschädlichen Produkte gerne den Verbraucher*innen zu, ohne ihre milliardenschwere Werbung als Einflussfaktor zu berücksichtigen.
Linnemann wies die Zweifel an seiner Eignung für das Amt zurück, die er vor einem Jahr noch selbst geäußert hatte.

Dies rief bundesweit Kritik hervor. Marc Raschke äußerte sich auf Facebook heftig: »2026 wird ausgerechnet Linnemann plötzlich Gesundheitsminister, weil Merz offenbar sonst kein Personal hat; was eine Bankrotterklärung an die CDU ist. Ich meine, wie sehr kannst Du dem Gesundheitssystem sagen, dass es Dir egal ist? Indem Du Linnemann zum obersten Manager machst. Merz hätte zum Beispiel auch Laumann aus NRW in diesen Posten heben können; immerhin jemand, der Gesundheitspolitik nicht erst seit gestern macht.
Aber dann hätte Merz ja dem ›sozialen Flügel‹ der CDU entgegenkommen müssen; wenn es diesen Flügel nicht eh nur für PR-Zwecke bei der CDU noch gibt. Aber so hat sich Merz eben für Linnemann und damit für die neoliberale Denke entschieden: kürzen, kürzen, kürzen. Linnemann wird dies ohne Sinn und Verstand machen, weil ihm beides mindestens in diesem Bereich fehlt.«
Als CDU-Generalsekretär tat sich der Experte für Wirtschaft und Soziales bereits mit kernigen Aussagen zur Gesundheitspolitik hervor. So forderte er beispielsweise eine drastische Reduzierung der 90 Krankenkassen. »Ein riesiges Verwaltungsvolumen, da müssen wir ran«, sagte er. »Ich finde, zehn Krankenkassen in Deutschland reichen.« Dabei machen die Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenkassen laut GKV nur einen geringen Teil der Gesamtausgaben aus. Im Jahr 2024 lag ihr Anteil bei 3,86 Prozent. Das bedeutet, dass rund 96 Prozent der Mittel direkt in die gesundheitliche Versorgung der Versicherten fließen.
Während bei den gesetzlichen Krankenkassen von einem Euro lediglich vier Cent für Verwaltung ausgegeben werden, sind es bei der privaten Krankenversicherung mit circa zehn Cent rund zweieinhalbmal so viel.«
Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes
Gleichwohl will Linnemann im neuen Amt die Zahl der Krankenkassen reduzieren und die Beiträge stabilisieren.
Aus Sicht des CDU-Generalsekretärs ist das Bundesgesundheitsministerium »zu einem der zentralen Reformressorts der Regierung geworden. Das war auch der Grund, warum der Bundeskanzler mich gebeten hat, das Ressort zu übernehmen. Ich habe großen Respekt vor der neuen Aufgabe.« Linnemann wisse, dass er sich noch tiefer einarbeiten müsse. Aber er traue sich das zu.
Quelle: Deutsches Ärzteblatt
