Zwei Personenhände übergeben sich einen braunen Umschlag über einem Schreibtisch. Im Vordergrund liegt ein Klemmbrett mit einem unterschriftsreifen Dokument, beschriftet mit 'CONTRACT', daneben ein Metallkugelschreiber. Im verschwommenen Hintergrund ist ein geöffneter Laptop sichtbar.

In einem ausführlichen Artikel befasste sich die niederländische Tageszeitung »De Volkskrant« am 20. Juni 2026 damit, wie die Alkoholindustrie seit Jahrzehnten versucht, über Ärzt*innen und vor allem Forscher*innen Einfluss auf die wissenschaftliche Forschung, die Politikgestaltung und die öffentliche Debatte zum Thema Alkohol zu nehmen. Die Journalistin Maud Effting sprach mit mehreren Personen, die ihre Erfahrungen dazu schildern konnten.

Der jüngste Aufsehen erregende Fall betrifft die niederländische Professorin Joline Beulens vom Universitätsklinikum Amsterdam. Sie wurde als Mitglied des Alkoholausschusses des Nationalen Gesundheitsrats abberufen, da sie ihre Verbindungen zur Alkoholindustrie nicht ausreichend offengelegt hatte. Der Nationale Gesundheitsrat wird gerade in dieser Zeit eine neue Stellungnahme zum Thema Alkohol und Gesundheit vorlegen.

Eine der wichtigsten Methoden der Alkoholindustrie, Einfluss auszuüben, ist die Forschungsförderung. Die Befragten betonen, dass dieser Einfluss bereits bei der Entscheidung beginnt, welche Forschungsfragen gefördert werden (beispielsweise die gesundheitlichen Vorteile eines moderaten Alkoholkonsums) und welche nicht (beispielsweise die Auswirkungen von Preiserhöhungen und Werbebeschränkungen). Auf diese Weise wird die Forschungsagenda durch die Fördermittel gelenkt. Wenn man als Nachwuchsforscher*in Geld von der Alkoholindustrie erhält, scheint es, als könne man unabhängige Forschung betreiben, doch findet dennoch eine indirekte Steuerung statt. Einfluss wird nicht nur durch Forschungsgelder ausgeübt, sondern auch durch Reisekostenzuschüsse für die Teilnahme an Konferenzen, um Mitglied in neuen branchenbezogenen Netzwerken zu werden. Und man wird eingeladen, ein Kapitel in einem Buch zu schreiben oder als Gast an einem Abendessen teilzunehmen. Infolgedessen entwickeln Forscher*innen unbewusst eine positivere Sicht auf die Branche oder werden weniger kritisch.

Marcel Olde Rikkert, Chefredakteur des niederländischen Gesundheitsmagazins »NTG«, erklärt, dass viele Wissenschaftler*innen glauben, sie seien immun gegen Interessenkonflikte, während Untersuchungen zeigen, dass bereits geringe finanzielle Anreize einen Einfluss haben können.

Verschiedene Expert*innen, darunter der irische Forscher Jim McCambridge und der niederländische Hochschuldozent Luc Hagenaars, argumentieren, dass die Alkoholindustrie Techniken aus der Tabakindustrie übernommen hat. Dazu gehören die Kritik an zuverlässigen unabhängigen Instituten und Organisationen sowie die Finanzierung von Vereinigungen, die angeblich alkoholbedingte Schäden bekämpfen, in Wirklichkeit jedoch Lobbygruppen sind. Die Alkoholindustrie versucht zudem, die Öffentlichkeit und die Politik davon zu überzeugen, dass eine kleine Gruppe von Menschen mit Alkoholkonsumstörungen das Hauptproblem sei und nicht ihr Produkt. Der Forscher Rob Bovens – der an Treffen zum niederländischen Präventionsabkommen teilgenommen hat – berichtet ebenfalls von der Erfahrung, dass die Industrie im Wesentlichen nur über den sogenannten »problematischen Alkoholkonsum« sprechen wollte, obwohl längst klar war, dass es so etwas wie eine sichere Alkoholmenge nicht gibt. Wim van Dalen vom niederländischen Institut für Alkoholpolitik STAP weist darauf hin, dass die Alkoholindustrie auch eine weitere Technik von der Tabakindustrie übernommen hat: das Säen von Zweifeln, beispielsweise durch die Veröffentlichung eines eigenen Gegengutachtens kurz vor der Veröffentlichung einer wichtigen Regierungsstudie.

Der Artikel schließt mit Kritik an den renommierten niederländischen Heineken-Preisen für Wissenschaft. Luc Hagenaars hält es für problematisch, dass Spitzenwissenschaftler*innen sich durch diese Preise mit einer Alkoholmarke in Verbindung bringen. Die Beteiligten, darunter Robbert Dijkgraaf und Hans Clevers, verteidigen die Preise, indem sie auf die Unabhängigkeit der dahinter stehenden Familienstiftung verweisen. Der Gastroenterologe Bart Takkenberg bezeichnet die Heineken-Preise als geradezu »absurd«:

Als Wissenschaftlerin*in muss man immer prüfen, womit man seinen Namen in Verbindung bringt. Die Mittel für den Heineken-Fonds stammen zum Teil von Menschen, die an den Folgen dieses Produkts gestorben sind. Es ist einfach unerklärlich, dass jemand damit in Verbindung gebracht werden möchte.«

Dirty little secrets: Vom Kampf zwischen Wissenschaft und Alkohollobby

Weinflasche mit fiktivem Warnhinweis: Alkohol kann Brustkrebs verursachen.
Screenshot aus Folge 3: Prost, Berlin!

Im Glas befindet sich eine gefährliche Droge. Und Deutschland ist ein Hochkonsumland. Das Rechercheformat »Dirty Little Secrets« des Bayerischen Rundfunks (BR) erzählt vom erbitterten Kampf um die Deutungshoheit zwischen Wissenschaft und Alkohollobby. Es geht um Seilschaften, Machtspiele und viel Geld. Drei neue Folgen von »Dirty Little Secrets« sind seit gestern in der ARD-Mediathek abrufbar.

Wissenschaftler*innen prangern gesundheitsschädliche Unternehmen an, die den Anstieg chronischer Krankheiten vorantreiben

Drei Personen in formeller Kleidung stehen nebeneinander vor einem dunklen, gelblich getönten und von Nebel umgebenen Hintergrund. In der Mitte eine Frau mit kurzen Haaren, flankiert von zwei Männern in Anzügen, alle mit ernstem Gesichtsausdruck.

Alkohol ist eines von fünf kommerziellen Produkten, die für 31 % aller Todesfälle weltweit pro Jahr verantwortlich sind – so das Ergebnis einer bedeutenden neuen Studie, die im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde. Darin wird die Alkoholindustrie in einen breiteren Zusammenhang gestellt, in dem Unternehmen systematisch die Wissenschaft und die Politikgestaltung im Bereich der öffentlichen Gesundheit untergraben.

Quelle: EUCAM

Übersetzt mit www.DeepL.com