Drei Personen in formeller Kleidung stehen nebeneinander vor einem dunklen, gelblich getönten und von Nebel umgebenen Hintergrund. In der Mitte eine Frau mit kurzen Haaren, flankiert von zwei Männern in Anzügen, alle mit ernstem Gesichtsausdruck.

Alkohol ist eines von fünf kommerziellen Produkten, die für 31 % aller Todesfälle weltweit pro Jahr verantwortlich sind – so das Ergebnis einer bedeutenden neuen Studie, die im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde. Darin wird die Alkoholindustrie in einen breiteren Zusammenhang gestellt, in dem Unternehmen systematisch die Wissenschaft und die Politikgestaltung im Bereich der öffentlichen Gesundheit untergraben.

Die Studie liefert belegte Beweise dafür, dass die Tabak- und Alkoholindustrie direkt zusammengearbeitet haben, um Steuern auf ungesunde Produkte zu verhindern und sich gegen Gesetze zum Schutz der Raumluft zu wehren – wobei sie Lobbygruppen einsetzten, um die Zusammenarbeit der Industrie als breiten Widerstand in der Öffentlichkeit zu tarnen.

Die Autor*innen fordern verbindliche politische Rahmenbedingungen nach dem Vorbild des WHO-Rahmenübereinkommens zur Eindämmung des Tabakkonsums, um politische Entscheidungsträger*innen vor dem Einfluss von Unternehmen aus allen gesundheitsschädlichen Branchen, einschließlich der Alkoholindustrie, zu schützen.

Unternehmensvektoren chronischer Krankheiten – Entwicklung von Gegenstrategien mithilfe interner Branchendokumente

Titel: Corporate Vectors of Chronic Disease – Using Internal Industry Documents to Craft Counterstrategies

Autor*innen: Consortium of the Center to End Corporate Harm, University of California, San Francisco

Quelle: New England Journal of Medicine

Datum der Veröffentlichung: 25. März 2026

Hintergrund: Die kommerziellen Determinanten chronischer Erkrankungen

Chronische oder nichtübertragbare Krankheiten – darunter Krebserkrankungen, Diabetes, neurokognitive Störungen und chronische Atemwegserkrankungen – sind für 74 % aller Todesfälle weltweit verantwortlich. Die Autor*innen benennen transnationale Konzerne, die gesundheitsschädliche Produkte herstellen und vermarkten, als einen der Hauptverursacher dieser globalen Belastung, da sie durch die Herstellung schädlicher Produkte und die Beeinflussung ihres Konsums als Verbreiter von Krankheiten wirken.

Die Autor*innen legen wissenschaftlich dar, dass die Medizin und das Gesundheitswesen der Erforschung unternehmerischer Aktivitäten als Gesundheitsrisiko Vorrang einräumen müssen und dass interne Unternehmensdokumente – die durch Gerichtsverfahren, Whistleblower und Gesetze zur Informationsfreiheit zugänglich gemacht wurden – einzigartige direkte Belege dafür liefern, was Unternehmen wussten, wann sie davon wussten und mit welchen Taktiken sie Regulierungsmaßnahmen verzögerten und Schäden verschleierten.

Die Rolle des Alkohols bei der weltweiten Zahl der Todesfälle

Die Studie benennt fünf kommerzielle Produkte als Hauptursachen für 31 % aller Todesfälle weltweit pro Jahr. Dazu gehört auch Alkohol, der jährlich weltweit für 1,8 Millionen Todesfälle verantwortlich ist – genauso viele wie synthetische Chemikalien und Pestizide zusammen – und damit hinter fossilen Brennstoffen (8,1 Millionen), Tabak (7,2 Millionen) und hochverarbeiteten Lebensmitteln (2,3 Millionen) sich den vierten Platz teilt.

Die Studie stellt fest, dass der Absatz gesundheitsschädlicher Produkte, darunter Alkohol, erheblich gestiegen ist – insbesondere in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen –, was auf die wirtschaftliche Globalisierung zurückzuführen ist, die nach Ansicht der Autor*innen die negativen Auswirkungen auf die Gesundheit verstärkt und gesundheitliche Ungleichheiten innerhalb der Länder sowie zwischen den Ländern verschärft.

Alkoholindustrie und Tabakindustrie: Eine belegte Allianz

Eines der wichtigsten alkoholbezogenen Ergebnisse der Studie betrifft die nachgewiesene Zusammenarbeit zwischen der Tabak- und der Alkoholindustrie, um gemeinsam Maßnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit in den Vereinigten Staaten zu untergraben.

Interne Dokumente zeigen, dass das Tobacco Institute, um sich gegen eine Erhöhung der Tabaksteuer zu wehren, eine Lobbygruppe – die »Consumer Tax Alliance« – ins Leben rief und vorschlug, dass die California Beer Association und andere Verbände der Alkoholindustrie den Großteil der Finanzierung übernehmen sollten. Ziel war es, den Eindruck einer breiten, unabhängigen Koalition gegen die Steuer zu erwecken und so deren Ursprung in der Tabakindustrie zu verschleiern. Zwar stellte die Alkoholindustrie letztendlich nicht den Großteil der Finanzierung bereit, doch setzte die Tabakindustrie in den 1980er Jahren erfolgreich ähnliche Taktiken mit Lobbygruppen ein, um gegen nationale Verbrauchssteuern vorzugehen.

Die Zusammenarbeit ging noch weiter: Die Tabakmarke R. J. Reynolds arbeitete direkt mit der National Liquor Store Association zusammen, um sich gegen Gesetze zum Schutz der Innenraumluftqualität zu wehren. Diese branchenübergreifende Allianz gegen Regulierungsmaßnahmen – obwohl die beiden Branchen kommerzielle Konkurrenten sind – verdeutlicht ein nachweisliches Muster, wonach gesundheitsschädigende Unternehmen zusammenarbeiten, um staatliche Regulierungsmaßnahmen zu verhindern, die ihre gemeinsame Macht oder Marktpräsenz einschränken könnten.

Führungskräfte der Tabakindustrie leiten Alkohol-Tochtergesellschaften

Die Studie belegt zudem, dass Amerikas größte Tabakkonzerne – R. J. Reynolds und Philip Morris – zwischen 1960 und 2010 einige der weltweit größten Lebensmittelkonzerne besaßen und zudem Tochtergesellschaften im Alkoholbereich unterhielten. Als Philip Morris 1985 General Foods übernahm, setzte das Unternehmen Führungskräfte aus dem Tabakbereich ein, um die sogenannten technischen und marketingbezogenen »Synergien« zwischen seinen Geschäftsbereichen Tabak, Lebensmittel und Alkohol zu maximieren.

Die Autor*innen führen dies als Beleg dafür an, wie schädliche Unternehmensstrategien – die in einer Branche entwickelt wurden – bewusst auf andere Branchen übertragen und dort angewendet werden.

Drei Mechanismen, die in gesundheitsschädigenden Branchen zum Einsatz kommen – darunter auch die Alkoholindustrie

Die Studie nennt drei zentrale Mechanismen, die in allen gesundheitsschädlichen Branchen zum Einsatz kommen und die, wie die vorhandene Literatur bestätigt, auch von der Alkoholindustrie genutzt werden:

  1. Kontrolle des Wissens: Beeinflussung von Forschungsfragen, Unterdrückung ungünstiger Ergebnisse, Angriffe auf unabhängige Wissenschaft und Förderung von Forschung, die Schäden herunterspielt.
  2. Kontrolle von Regulierung und Politik: direkte Lobbyarbeit, der Einsatz von Lobbygruppen und Wirtschaftsverbänden, der »Personalaustausch« zwischen Regierung und Industrie sowie die direkte Mitwirkung in Regulierungsbehörden.
  3. Steuerung der öffentlichen Kommunikation: ausgefeilte Marketing- und Werbekampagnen sowie der Einsatz von PR-Agenturen, Thinktanks und Lobbygruppen, um die öffentliche Wahrnehmung von Gefahren und persönlicher Verantwortung zu beeinflussen.

Die Studie verweist auf vorhandene Forschungsergebnisse, die bestätigen, dass die Alkoholindustrie alle drei Mechanismen genutzt hat, insbesondere bei Versuchen, Marketingregulierung zu beeinflussen.

Porträt von Ayla Chorley.
Schädliche Industriezweige sprechen gerne viel von ›Eigenverantwortung‹, doch diese Studie zeigt eindeutig, dass die Hauptursachen für chronische Krankheiten nicht im individuellen Verhalten liegen, sondern in den Produkten, die uns tagtäglich verkauft werden.«
Ayla Chorleiy, FARE-Geschäftsführerin, auf Linkedin

Was dies für die Alkoholpolitik bedeutet

Die Autor*innen kommen zu dem Schluss, dass Unternehmen in gesundheitsschädigenden Branchen – darunter auch die Alkoholindustrie – Wissenschaft und Politik systematisch untergraben haben, um Profit vor Gesundheit zu stellen. Sie fordern eine Reihe von Gegenmaßnahmen, darunter eine verpflichtende Transparenz bei der Forschungsfinanzierung durch Unternehmen, Anforderungen an die Open Science, ein Verbot finanzieller Verbindungen zwischen Industrie und Forscher*innen sowie – ganz entscheidend – die Entwicklung verbindlicher politischer Rahmenbedingungen, die politische Entscheidungsträger*innen vor dem Einfluss der Industrie schützen.

Die Autor*innen verweisen auf Artikel 5.3 des WHO-Rahmen­übereinkommens zur Eindämmung des Tabakkonsums – der die Zusammenarbeit der Regierungen mit der Tabakindustrie bei der Entwicklung der Gesundheitspolitik einschränkt – als Modell, das auf andere gesundheitsschädliche Branchen, darunter auch die Alkoholindustrie, übertragen werden könnte und sollte. Sie weisen darauf hin, dass Regierungen nicht auf internationale Verträge warten müssen, sondern solche Schutzmaßnahmen bereits jetzt auf nationaler Ebene umsetzen können.

Zusammenfassung

Chronische Erkrankungen wie Krebs, Diabetes, neurokognitive Störungen und Unfruchtbarkeit nehmen weltweit zu, wobei gesundheitsschädliche Produkte wie fossile Brennstoffe, Tabak, stark verarbeitete Lebensmittel, giftige Chemikalien, Kunststoffe und Alkohol maßgeblich dazu beitragen, so die Autor*innen einer neuen Studie, die im New England Journal of Medicine (NEJM) veröffentlicht wurde. Die Autor*innen schlagen Lösungen vor, darunter politische Schutzmaßnahmen und eine stärkere Fokussierung der Forschung auf die mit unternehmerischen Aktivitäten verbundenen Gesundheitsrisiken.

Dies ist das erste Mal, dass das NEJM einen Artikel veröffentlicht hat, in dem Unternehmen, die gesundheitsschädliche Produkte herstellen und vermarkten, als Hauptverursacher nichtübertragbarer Krankheiten genannt werden.

Weltweit sind fünf kommerzielle Produkte für 31 Prozent aller Todesfälle pro Jahr verantwortlich:

  • Fossile Brennstoffe tragen zu 8,1 Millionen Todesfällen bei,
  • Tabak ist für 7,2 Millionen Todesfälle verantwortlich,
  • Hochverarbeitete Lebensmittel tragen zu 2,3 Millionen Todesfällen bei,
  • Chemikalien (industriell hergestellte Chemikalien für den gewerblichen Gebrauch und Pestizide) tragen zu 1,8 Millionen Todesfällen bei, und
  • Alkohol ist für 1,8 Millionen Todesfälle verantwortlich.

Unternehmen als Verursacher chronischer Krankheiten

Porträt von Dr. Nicholas Chartres.
Der weltweite Anstieg bestimmter chronischer Krankheiten ist alarmierend. Die Zunahme gesundheitsschädlicher Produkte spiegelt den Anstieg bestimmter chronischer Krankheiten in beunruhigendem Maße wider. Chronische Krankheiten sind mittlerweile für 74 Prozent aller Todesfälle weltweit verantwortlich.«
Dr. Nicholas Chartres, Forscher an der Fakultät für Medizin und Gesundheit der Universität Sydney und wissenschaftlicher Leiter des »Center to End Corporate Harm« an der Kalifornischen Universität in San Francisco.

»Um unsere Gesundheit zu schützen, ist es von entscheidender Bedeutung, diese Unternehmensfaktoren, die Krankheiten begünstigen, zu analysieren und zu verstehen und Wege zu finden, ihren Einfluss einzudämmen«, sagte Dr. Chartres laut einem Bericht von EurekAlert.

Lehren aus der Reform der Tabakindustrie

Aus Branchenunterlagen geht hervor, dass Führungskräfte der Tabakkonzerne seit Jahrzehnten wussten, dass Rauchen Krebs verursacht und Nikotin süchtig macht, diese Informationen der Öffentlichkeit jedoch vorenthielten.

»Die Forschung zur Tabakindustrie liefert eine Blaupause dafür, wie andere Einflüsse von Unternehmen auf die Gesundheit erkannt und bekämpft werden können«, so Dr. Chartres laut EurekAlert.

»In den Vereinigten Staaten führte die Recherche zu Tabakdokumenten zu weitreichenden politischen Veränderungen, darunter lokale Rauchverbote, Steuererhöhungen auf nationaler und bundesstaatlicher Ebene, rauchfreie Richtlinien auf bundesstaatlicher und lokaler Ebene sowie eine Untersuchung der Branche durch die Bundesbehörden.«

In Ländern mit hohem Einkommen kam es zu einem deutlichen Rückgang des Rauchens, nachdem die Lügen der Tabakindustrie über die Sicherheit ihrer Produkte im Rahmen großer Anti-Raucher-Kampagnen aufgedeckt wurden. Schätzungen zufolge konnten bis heute mehr als 37 Millionen Menschenleben gerettet werden.
Ärzt*innen, die Öffentlichkeit, Medien und politische Entscheidungsträger*innen müssen verstehen, dass diese gesundheitsschädlichen Industrien alle dieselben Taktiken anwenden wie die Tabakindustrie, um Unsicherheit über die Schäden ihrer Produkte zu schaffen, Regulierungsmaßnahmen zu verzögern und somit weiterhin von deren Verkauf zu profitieren – während wir durch den Konsum dieser Produkte zunehmend krank werden und letztendlich mit unserer Gesundheit den Preis dafür zahlen.«
Wir müssen diese Produkte genauso regulieren wie Tabak.«
Dr. Nicholas Chartres
Porträt von Tracey J. Woodruff.
Eine naheliegende Lösung für die durch Unternehmen verursachten Krankheitsfaktoren besteht darin, für alle gesundheitsschädlichen Branchen ähnliche Beschränkungen hinsichtlich ihres politischen Einflusses zu erlassen.«
Tracey J. Woodruff, Mitbegründerin des Center to End Corporate Harm

Lösungsvorschläge

In diesem Beitrag schlagen wir Lösungen vor, um die Politik vor dem Einfluss der Wirtschaft zu schützen, darunter Regelungen, die gesundheitsschädlichen Branchen im Rahmen eines globalen Abkommens – ähnlich dem Tabakabkommen – die Einflussnahme auf die Politik untersagen; Datenbanken, die Zahlungen der Industrie an Wissenschaftler*innen und politische Entscheidungsträger*innen erfassen und offenlegen; sowie staatliche Verbote finanzieller Verbindungen zwischen der Industrie und Forscher*innen.
Wir sind der Ansicht, dass die Medizin und das Gesundheitswesen der Erforschung und Aufklärung über Gesundheitsrisiken, die mit unternehmerischen Aktivitäten verbunden sind, Vorrang einräumen sollten.«
Dr. Nicholas Chartres

Wie kommerzielle Determinanten die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigen

Surreale digitale Kunst in Gelbtönen: Ein Mann im Anzug bedient ein hochtechnologisches, hologramm-artiges Interface, das wie eine Bar aussieht. Davor sitzt ein Kind und interagiert mit einer leuchtenden Energiekugel auf dem Display.

Diese narrative Übersicht fasst die vorhandene Literatur zu den Auswirkungen kommerzieller Determinanten auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zusammen. Es ist von entscheidender Bedeutung, den Einfluss von Branchen wie Lebensmittel, Pharmazeutika, Technologie, soziale Medien, Glücksspiel, Alkohol, Tabak und Pornografie auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen hervorzuheben.

Europäische Ärzt*innen fordern, dass kommerzielle Interessen die öffentliche Gesundheit nicht beeinträchtigen

Mehrere Ärztinnen und Ärzte in weißen Kitteln stehen im Kreis und legen ihre Hände übereinander als Zeichen für Teamwork und Zusammenarbeit.

Der Ständige Ausschuss der Europäischen Ärzt*innen (CPME) hat eine Erklärung veröffentlicht, in der er die negativen Auswirkungen kommerzieller Determinanten auf die Gesundheit hervorhebt. Er fordert, dass politische Entscheidungen zum Wohle der öffentlichen Gesundheit evidenzbasiert und ethisch vertretbar getroffen werden.

Quelle: MOVENDI International

Übersetzt mit www.DeepL.com