Fünf unterschiedlich gefüllte Biergläser auf einer Bar, jedes beschriftet mit einer Krebsart: Brustkrebs, Mundkrebs, Darmkrebs, Leberkrebs und Kehlkopfkrebs. Im Hintergrund sind Zapfhähne zu sehen.
Foto KI-generiert

Laut einer neuen globalen Analyse der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und ihrer Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) könnten weltweit bis zu vier von zehn Krebsfällen verhindert werden. Die Studie untersucht 30 vermeidbare Ursachen, darunter Tabak, Alkohol, hoher Body-Mass-Index, Bewegungsmangel, Luftverschmutzung, ultraviolette Strahlung und – zum ersten Mal – neun krebserregende Infektionen.

Die vor dem Weltkrebstag am 4. Februar veröffentlichte Analyse schätzt, dass 37 % aller neuen Krebsfälle im Jahr 2022, also rund 7,1 Millionen Fälle, auf vermeidbare Ursachen zurückzuführen sind. Die Ergebnisse unterstreichen das enorme Potenzial der Prävention zur Verringerung der globalen Krebsbelastung.

Titel: Global and regional cancer burden attributable to modifiable risk factors to inform prevention

Autor*innen: Hanna Fink, Oliver Langselius, Jérôme Vignat, Harriet Rumgay, Jürgen Rehm, Ricardo X. Martinez, Marilina Santero, Lucero Lopez-Perez, Manami Inoue, Hongmei Zeng, Kevin Shield, Eileen Morgan, André Ilbawi und Isabelle Soerjomataram

Zitierung: Fink, H., Langselius, O., Vignat, J. et al. Global and regional cancer burden attributable to modifiable risk factors to inform prevention. Nat Med (2026). https://doi.org/10.1038/s41591-026-04219-7

Quelle: nature medicine

Datum der Veröffentlichung: 3. Februar 2026

Auf der Grundlage von Daten aus 185 Ländern und zu 36 Krebsarten identifiziert die Studie Tabak als weltweit führende vermeidbare Ursache für Krebs, die für 15 % aller neuen Krebsfälle verantwortlich ist, gefolgt von Infektionen (10 %) und Alkoholkonsum (3 %).

Drei Krebsarten – Lungen-, Magen- und Gebärmutterhalskrebs – machten weltweit fast die Hälfte aller vermeidbaren Krebsfälle bei Männern und Frauen aus. Lungenkrebs stand in erster Linie im Zusammenhang mit Rauchen und Luftverschmutzung, Magenkrebs war größtenteils auf eine Infektion mit Helicobacter pylori zurückzuführen, und Gebärmutterhalskrebs wurde überwiegend durch das humane Papillomavirus (HPV) verursacht.

Dies ist die erste globale Analyse, die zeigt, wie hoch das Krebsrisiko aufgrund von Ursachen ist, die wir verhindern können«, erklärte Dr. André Ilbawi, Leiter des WHO-Teams für Krebsbekämpfung und Autor der Studie. »Durch die Untersuchung von Mustern in verschiedenen Ländern und Bevölkerungsgruppen können wir Regierungen und Einzelpersonen spezifischere Informationen zur Verfügung stellen, um viele Krebsfälle zu verhindern, bevor sie entstehen.«

Unterschiede zwischen Männern, Frauen und Regionen

Die Belastung durch vermeidbare Krebserkrankungen war bei Männern deutlich höher als bei Frauen: 45 % der neuen Krebsfälle traten bei Männern auf, gegenüber 30 % bei Frauen.

  • Bei Männern war Rauchen für schätzungsweise 23 % aller neuen Krebsfälle verantwortlich, gefolgt von Infektionen mit 9 % und Alkohol mit 4 %.
  • Weltweit waren Infektionen für 11 % aller neuen Krebsfälle bei Frauen verantwortlich, gefolgt von Rauchen mit 6 % und einem hohen Body-Mass-Index mit 3 %.
Diese bahnbrechende Studie ist eine umfassende Bewertung vermeidbarer Krebserkrankungen weltweit, die erstmals infektiöse Ursachen von Krebs neben verhaltensbezogenen, umweltbedingten und berufsbedingten Risiken berücksichtigt«, so Dr. Isabelle Soerjomataram, stellvertretende Leiterin der Krebsüberwachungseinheit der IARC und leitende Autor*in der Studie.
Die Bekämpfung dieser vermeidbaren Ursachen stellt eine der wirksamsten Möglichkeiten dar, die weltweite Krebsbelastung zu verringern.«
Dr. Isabelle Soerjomataram

Infografik zu vermeidbaren Krebsfällen weltweit.

Die Häufigkeit vermeidbarer Krebserkrankungen variierte stark zwischen den Regionen. Bei Frauen lag der Anteil vermeidbarer Krebserkrankungen zwischen 24 % in Nordafrika und Westasien und 38 % in Subsahara-Afrika.

Bei Männern war die höchste Belastung mit 57 % in Ostasien zu beobachten, die niedrigste mit 28 % in Lateinamerika und der Karibik. Diese Unterschiede spiegeln die unterschiedliche Exposition gegenüber verhaltensbezogenen, umweltbedingten, berufsbedingten und infektiösen Risikofaktoren sowie Unterschiede in der sozioökonomischen Entwicklung, den nationalen Präventionsstrategien und der Leistungsfähigkeit der Gesundheitssysteme wider.

Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit kontextspezifischer Präventionsstrategien, die strenge Maßnahmen zur Tabakkontrolle, Alkoholpolitik, Impfungen gegen krebserregende Infektionen wie das humane Papillomavirus (HPV) und Hepatitis B, eine verbesserte Luftqualität, sicherere Arbeitsplätze sowie gesündere Ernährungs- und Bewegungsumgebungen umfassen.

Durch koordinierte Maßnahmen in verschiedenen Bereichen, von Gesundheit und Bildung bis hin zu Energie, Verkehr und Arbeit, kann verhindert werden, dass Millionen von Familien die Belastung einer Krebsdiagnose erleben müssen. Die Bekämpfung vermeidbarer Risikofaktoren senkt nicht nur die Krebsinzidenz, sondern auch die langfristigen Gesundheitskosten und verbessert die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bevölkerung.

Alkohol und Krebs

Kreisdiagramm, das den Anteil alkoholbedingter Krebserkrankungen bei Männern in Deutschland im Jahr 2022 nach Organsystemen aufschlüsselt: Dickdarm (25,7 %), Enddarm (16,9 %), Leber (14,7 %), Rachen (13,9 %) und Sonstige (28,8 %). Quelle: https://gco.iarc.who.int
Kreisdiagramm zur Verteilung alkoholbedingter Krebserkrankungen bei Frauen in Deutschland 2022: Brust (70,7 %), Sonstige (10 %), Dickdarm (9,7 %), Enddarm (5,3 %) und Speiseröhre (4,3 %). Quelle: https://gco.iarc.who.int

Die Website »Cancers Attributable to Alcohol« (Durch Alkohol verursachte Krebserkrankungen) der IARC bietet interaktive Tools zur Analyse und Visualisierung von Daten zur geschätzten weltweiten Krebsinzidenz im Jahr 2022, die auf Alkoholkonsum zurückzuführen ist.

Wenn ich meinen Alkoholkonsum reduziere oder beende: Senkt das mein Krebsrisiko?

Titelbild des IARC-Handbuches Band 20A 'Reduction or Cessation of Alcoholic Beverage Consumption'. Im Hintergrund eine sich teilende Krebszelle.

Weltweit waren im Jahr 2020 schätzungsweise 741.300 neue Krebsfälle auf Alkoholkonsum zurückzuführen. Dies entspricht 4,1 % aller neuen Krebsfälle, 6,1 % bei Männern und 2,0 % bei Frauen.

IARC: Alkoholpolitik senkt den Konsum wirksam

Junger Mann in weißem T-Shirt jubelt mit geballter Faust; daneben graue Getränke-Symbole, über denen ein roter Pfeil nach unten einen Rückgang des Alkoholkonsums zeigt.

Eine Arbeitsgruppe internationaler Expert*innen wurde von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) einberufen, um alle verfügbaren Erkenntnisse zur Wirksamkeit ausgewählter alkoholpolitischer Maßnahmen zur Verringerung des Alkoholkonsums in der Bevölkerung zu überprüfen und zu bewerten. Obwohl alkoholische Getränke bereits vor Jahrzehnten als krebserregend für den Menschen (Gruppe 1) eingestuft wurden, gab es bisher keine derartige Bewertung.

Quelle: Pressemitteilung IARC

Übersetzt mit www.DeepL.com