Eine dichte Gruppe von Fußgängern und Pendlern unterschiedlichen Alters auf einem belebten Stadtweg, von denen viele auf ihre Smartphones blicken.

Kann auf Bevölkerungsebene ein Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Krebs beobachtet werden? Die Antwort lautet ja. Wenn der Alkoholkonsum in einem Land zurückgeht, sinken auch die Krebssterberaten.

Mats Ramstedt, Forschungsdirektor bei CAN, ist einer der Autor*innen eines kürzlich veröffentlichten wissenschaftlichen Artikels über Alkohol und Krebs. »Dies ist die erste umfassendere Studie zum Zusammenhang zwischen Alkohol und Krebs auf Bevölkerungsebene«, sagt er. »Wir wollten herausfinden, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Gesamtalkoholkonsum eines Landes und seiner Krebssterblichkeitsrate gibt«, erklärt er weiter.

Der Gesamtalkoholkonsum wird als durchschnittliche Anzahl Liter Alkohol pro Person und Jahr gemessen. Die Studie untersuchte auch, ob der Zusammenhang zwischen Männern und Frauen sowie zwischen Ländern mit unterschiedlichen schädlichen Alkoholkonsummustern variiert. Wichtigstes Ergebnis: Wenn der durchschnittliche Alkoholkonsum sinkt, nimmt auch die Krebssterblichkeit ab.

Porträt von Mats Ramstedt.
Eine Veränderung des Gesamtalkoholkonsums um einen Liter war mit einer Veränderung der Krebssterblichkeit verbunden: einer Veränderung um 1,1 % bei Männern und einer Veränderung um 0,9 % bei Frauen.«
Mats Ramstedt

Bei Männern war der Zusammenhang bei Krebserkrankungen der Lippe, der Mundhöhle, des Rachens, der Speiseröhre und des Kehlkopfes sowie bei Prostatakrebs stärker. Bei Frauen wurde der stärkste Zusammenhang bei Brustkrebs beobachtet.

Auch zwischen den einzelnen Ländern gab es Unterschiede: »Der Zusammenhang war in Ländern mit schädlicherem Konsumverhalten stärker, was in der Studie durch die skandinavischen Länder und Nordamerika repräsentiert wurde«, so Ramstedt. Schädlichere Konsummuster zeichnen sich beispielsweise durch häufiges Rauschtrinken aus. »Dadurch verstehen wir besser, was die Krebssterblichkeit auf Bevölkerungsebene beeinflusst.«

Krebs kann nun zu den vielen Todesursachen hinzugefügt werden, die durch den Gesamtalkoholkonsum beeinflusst werden.«
Mats Ramstedt

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Pro-Kopf-Alkoholkonsum und der Krebssterblichkeit?

Titel: Is there a link between per capita alcohol consumption and cancer mortality?

Autor*innen: Iman Dadgar, Thor Norström, Mats Ramstedt

Zitierung: Dadgar I, Norström T, Ramstedt M. Is there a link between per capita alcohol consumption and cancer mortality? Drug Alcohol Rev. 2025; 44(2): 411–423. https://doi.org/10.1111/dar.13984

Quelle: Drug and Alcohol Review

Datum der Veröffentlichung: 12. Dezember 2024

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Zusammenfassung

Einleitung

Eine wachsende Zahl von Belegen hat den Alkoholkonsum als ursächlichen Faktor für eine zunehmende Anzahl von Krebsarten identifiziert und ihn damit zu einem der weltweit führenden Risikofaktoren für Krebs gemacht. Überraschenderweise gibt es nur wenige Studien, die untersuchen, inwieweit Veränderungen im Alkoholkonsum der Bevölkerung die Krebssterblichkeit beeinflussen, obwohl dies erhebliche Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit hat. Diese Arbeit hat folgende Ziele:

  1. Abschätzung der Auswirkungen von Veränderungen des Pro-Kopf-Alkoholkonsums sowohl auf die Gesamtkrebssterblichkeit als auch auf bestimmte Arten von alkoholbedingten Krebserkrankungen; und
  2. Bewertung, ob der Zusammenhang zwischen Krebs und Alkoholkonsum der Bevölkerung durch die Konsumgewohnheiten eines Landes beeinflusst wird.

Methoden

Die Forscher*innen verwendeten Zeitreihendaten für 19 Länder mit hohem Einkommen aus dem Zeitraum 1960 – 2018. Als Kontrollvariablen wurden Zigarettenverkäufe und das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf herangezogen. Die Daten wurden mithilfe einer Erstdifferenzmodellierung analysiert. Zur Bewertung des Konsumverhaltens eines Landes wurde der Alkoholkonsumindex der Weltgesundheitsorganisation herangezogen.

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigten, dass ein Anstieg des Alkoholkonsums um 1 Liter pro Kopf mit einem Anstieg der Gesamtkrebssterblichkeit um 0,9 % bei Frauen und um 1,1 % bei Männern verbunden war. Bemerkenswert ist, dass bei Männern der Zusammenhang bei Krebsarten mit starkem Nachweis für den Einfluss von Alkohol und bei Prostatakrebs ausgeprägter war. Bei Frauen war der Einfluss von Alkohol statistisch signifikant bei Brustkrebs. Im Allgemeinen waren die geschätzten Auswirkungen von Alkohol in der Ländergruppe mit schädlicheren Alkoholkonsummuster höher.

Dies deutet darauf hin, dass eine Senkung des Pro-Kopf-Alkoholkonsums voraussichtlich die Krebssterblichkeit verringern wird.

Sollten wir das nicht längst wissen? Der Zusammenhang von Alkohol und Brustkrebs

Rückenansicht von zwei Frauen, die von einer Treppe hinaus aufs Meer schauen. In der Ferne ist ein Leuchtturm am Ende einer Mole zu sehen.

Viele Menschen in Europa werden den 8. März, den Internationalen Frauentag, mit einem Glas Alkohol feiern, ohne zu wissen, dass Alkoholkonsum ein Hauptrisikofaktor für die häufigste Krebserkrankung bei Frauen, Brustkrebs, ist. Das mangelnde Bewusstsein für diesen Zusammenhang stellt ein großes Hindernis für die Krebsprävention und eine Herausforderung für die Gesundheit von Frauen in ganz Europa dar.

Wenn ich meinen Alkoholkonsum reduziere oder beende: Senkt das mein Krebsrisiko?

Titelbild des IARC-Handbuches Band 20A 'Reduction or Cessation of Alcoholic Beverage Consumption'. Im Hintergrund eine sich teilende Krebszelle.

Weltweit waren im Jahr 2020 schätzungsweise 741.300 neue Krebsfälle auf Alkoholkonsum zurückzuführen. Dies entspricht 4,1 % aller neuen Krebsfälle, 6,1 % bei Männern und 2,0 % bei Frauen.