KI-generierte Nahaufnahme eines Glases Weißwein mit dem Warnhinweis 'WARNUNG: Alkohol verursacht Krebs'. Das Glas steht auf einem hölzernen Tisch neben Dokumenten und einem Wasserglas. Im unscharfen Hintergrund ist ein offizieller Sitzungssaal mit Personen in Anzügen und EU-Flaggen zu erkennen.Foto KI-generiert

Die Debatte über die Kennzeichnung von Alkohol ist wieder in den Mittelpunkt der EU-Krebsbekämpfungspolitik gerückt, nachdem der Ausschuss für öffentliche Gesundheit des Europäischen Parlaments am 23. März 2026 einen neuen Berichtsentwurf zur Umsetzung des europäischen Plans zur Krebsbekämpfung veröffentlicht hat. In dem Text bedauert der Ausschuss die begrenzten Fortschritte bei der Einführung verbindlicher Zutatenlisten und Gesundheitswarnungen auf alkoholischen Getränken und fordert die Europäische Kommission auf, »ohne weitere Verzögerung« Gesetzesvorschläge vorzulegen.

Der Zeitpunkt ist entscheidend. Der Europäische Plan zur Krebsbekämpfung wurde im Februar 2021 ins Leben gerufen, und bereits damals kündigte die Kommission an, bis Ende 2022 verbindliche Zutatenlisten und Nährwertangaben für alkoholische Getränke vorzuschlagen, gefolgt von Gesundheitswarnungen auf den Etiketten bis Ende 2023. Diese Fristen sind abgelaufen, ohne dass ein konkreter EU-Vorschlag für verbindliche Gesundheitswarnungen auf Alkoholprodukten vorgelegt wurde, was den neuen Wortlaut des Ausschusses besonders bedeutsam macht.

Alkoholpolitik nimmt Schlüsselrolle bei Krebsbekämpfung ein

EU-Kommission bei der Präsentierung des Krebsbekämpfungsplans

Die Europäische Kommission hat den »Europe's Beating Cancer Plan« ins Leben gerufen. Der ehrgeizige Plan zielt darauf ab, die Krebsbelastung in der Europäischen Union für Patient*innen, ihre Familien und die Gesundheitssysteme zu reduzieren. Er wird krebsbedingte Ungleichheiten zwischen und innerhalb der EU-Mitgliedstaaten mit Maßnahmen zur Unterstützung, Koordinierung und Ergänzung der Bemühungen der Mitgliedstaaten angehen. Prävention im Allgemeinen und alkoholpolitische Lösungen im Besonderen sind zentrale Elemente bei den Bemühungen, Krebs in der EU zu besiegen. Europas Plan zur Krebsbekämpfung enthält das Ziel, den Pro-Kopf-Alkoholkonsum bis 2025 um – mindestens – 10 % zu senken, wie es die Länder bereits 2015 bei der Verabschiedung der Agenda 2030 und der Ziele für nachhaltige Entwicklung vereinbart hatten.

Im Hinblick auf die Prävention gibt es Verzögerungen bei wichtigen legislativen Verpflichtungen, darunter bei der Überarbeitung der Richtlinie für Tabakerzeugnisse und bei der Einführung verpflichtender gesundheitsbezogener Warnhinweise auf Alkohol, die bereits 2023 hätten eingeführt werden sollen und immer noch fehlen.«
Entwurf eines Berichts über die Umsetzung von Europas Plan gegen den Krebs, Seite 4

Der parlamentarische Prozess schreitet nun Schritt für Schritt voran. Der Entwurf wurde am 23. März 2026 offiziell veröffentlicht, und eine neue Tagesordnung des Ausschusses vom 14. April 2026 bestätigt, dass das Dossier im Ausschuss für öffentliche Gesundheit weiterhin behandelt wird. Die Frist für Änderungsanträge endet am 20. April 2026, was bedeutet, dass sich der Wortlaut noch ändern kann, doch das politische Signal ist bereits klar. Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Aufforderung, »ohne weitere Verzögerung« zu handeln, nun Teil des Ausschussentwurfs selbst.

Der Bericht betrachtet das Thema Alkoholkennzeichnung vor dem Hintergrund der allgemeinen Krebsbelastung in Europa. Er stellt fest, dass im Jahr 2022 bei 2,7 Millionen Menschen in Europa Krebs diagnostiziert wurde und 1,3 Millionen an dieser Krankheit starben. Er unterstreicht zudem, dass rund 40 % der Krebsfälle vermeidbar sind, und hebt Alkohol als einen der wichtigsten vermeidbaren Risikofaktoren hervor. Zu den im Bericht angeführten Zahlen gehört, dass drei von zehn alkoholbedingten Todesfällen auf Krebs zurückzuführen sind.

Damit erhält die Frage der Kennzeichnung eine weitaus größere Bedeutung als nur ein technisches Verpackungsproblem. Gesundheitswarnungen auf Alkoholetiketten waren bereits im Krebsplan der Kommission vorgesehen, doch die Umsetzung ist ins Stocken geraten. Der neue Berichtsentwurf des Ausschusses für öffentliche Gesundheit des Europäischen Parlaments gibt daher kein neues Versprechen ab, sondern belebt den Druck auf ein bestehendes Versprechen, das eigentlich schon längst hätte umgesetzt werden müssen, und verstärkt ihn.

Der nächste wichtige Termin, der bereits im parlamentarischen Kalender steht, ist der 14. September 2026; dieser Tag ist derzeit als vorläufiger Termin für die Plenarsitzung zu diesem Dossier vorgesehen. Bis dahin kann der Wortlaut des Berichts zwar noch angepasst werden, doch die derzeitige Botschaft des Ausschusses ist bereits unmissverständlich: Die Kommission sollte nicht länger zögern und die Gesetzgebung zur Alkoholkennzeichnung vorantreiben.

Unerledigte Aufgaben: Wer behindert Europas Krebsbekämpfung?

Anamaria Suciu, Florence Berteletti und Cristina Padeanu von Eurocare posieren bei der Veranstaltung der Europäischen Kommission in einer Fotobox.

Auf der von der Europäischen Kommission organisierten Veranstaltung »Europas Plan zur Krebsbekämpfung: Kräfte bündeln« am 31. Januar 2024 betonte die Generalsekretärin von Eurocare, Florence Berteletti, die dringende Notwendigkeit, die Lücken bei der Umsetzung des Plans zur Krebsbekämpfung zu schließen.

WHO appelliert an EU-Abgeordnete, Krebsrisiken nicht zu verharmlosen

Sitz des WHO-Gebäudes in Genf mit WHO-Flagge.

Der WHO-Regionaldirektor für Europa, Dr. Hans Henri P. Kluge, und die Direktorin der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), Dr. Elisabete Weiderpass, haben aktuell eine gemeinsame Erklärung an das Europäische Parlament abgegeben. Ein Fachausschuss des Europäischen Parlaments befasst sich mit der europäischen Antwort auf die hohe Belastung durch nicht übertragbare Krankheiten wie Krebs und Herzkrankheiten sowie mit den Risikofaktoren, die zu dieser Belastung führen, wie Alkohol und Tabak. Der Text des Initiativberichts über nichtübertragbare Krankheiten ist jedoch stark von der Alkoholindustrie beeinflusst. So ist es den Alkohollobbyist*innen gelungen, die Formulierungen im Bericht über Alkoholschäden und alkoholpolitische Lösungen zu torpedieren.

Quelle: Alcohol and Cancer

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