Mädchen im Jeans und rotem Pullover sitzt zusammengesunken am Fensterbrett, blickt traurig zur Seite und hält eine Hand abwehrend erhoben.

Kinder, die in Familien aufwachsen, in denen Eltern Substanzen konsumieren oder suchterkrankt sind, gehören zu den schutzbedürftigsten Mitgliedern der Gesellschaft – dennoch erreichen sie die kommunalen Hilfsangebote kaum. Das zeigt der neue Bericht »Leicht zu erreichen«, den die Kinderorganisation Junis diese Woche veröffentlicht hat.

Titelseite 'Lätt att nå'.
Es ist inakzeptabel, dass so wenige Kinder die Unterstützung erhalten, auf die sie eigentlich Anspruch haben«, sagt Mona Örjes, Sprecherin für Kinderfragen bei Junis. »Wir müssen aufhören zu glauben, dass es ausreicht, wenn die Kommunen einfach nur Unterstützung anbieten. In der Praxis werden die meisten Kinder allein gelassen.«

Nach einer Schätzung des Schwedischen Rates für Informationen über Alkohol und andere Drogen (CAN) leben 15 Prozent der Kinder in Schweden in Familien, in denen mindestens ein Elternteil Alkohol in einer Weise konsumiert, die sich negativ auf die Kinder auswirkt. Dies entspricht mehr als 260.000 Kindern in den Gemeinden, die an der Umfrage von Junis teilgenommen haben – aber nur 3.559 Kinder erhielten im Jahr 2024 Unterstützung. Das bedeutet, dass nur ein Prozent derjenigen, die Unterstützung benötigen, diese auch tatsächlich erhalten haben.

Es ist eine Schande.«
Mona Örjes

»Wir sprechen hier von Kindern, die in ständiger Sorge leben, die Gefahr laufen, die Schule ohne Abschluss zu verlassen, die gezwungen sind, Verantwortung von Erwachsenen zu übernehmen, und die einem höheren Risiko ausgesetzt sind, Gewalt zu erleben – aber die die Gesellschaft immer wieder im Stich lässt«, so Mona Örjes.

Was ist erforderlich? Mut, Zusammenarbeit und politische Verantwortung

Der Bericht hebt auch Beispiele für Tätigkeiten hervor, bei denen bessere Ergebnisse erzielt wurden, teilweise durch die Zusammenarbeit zwischen Sozialdiensten, Gesundheitswesen, Schulen und dem gemeinnützigen Sektor – und durch die einfache, aber entscheidende Frage: Haben Sie Kinder?

»Alle Erwachsenen, die mit Eltern mit Suchtproblemen in Kontakt kommen, müssen wissen, worauf sie achten müssen – und sich trauen, zu handeln. Dazu müssen ihnen aber die richtigen Voraussetzungen geboten werden«, fährt Mona Örjes fort.

Politiker*innen auf allen Ebenen müssen sich jetzt fragen: Was kann ich tun, damit mehr Kinder rechtzeitig Hilfe bekommen?«

Leicht zu erreichen?

Gemäß dem neuen Sozialdienstgesetz, das am 1. Juli in Kraft tritt, sollen Sozialdienste präventiver arbeiten und Menschen erreichen, bevor Probleme entstehen oder sich verschärfen. Das Thema des diesjährigen Berichts lautet genau so: Wie einfach sollte es eigentlich sein, die Kinder zu erreichen – aber wie schwierig ist es in der Praxis, wenn nicht die gesamte Gesellschaft Verantwortung übernimmt.

Vor Weihnachten: 8 von 10 sehen Trunkenheit in der Nähe von Kindern

Gemütliche Weihnachtsfamilienrunde am gedeckten Esstisch: Eine ältere Frau mit Nikolausmütze übergibt einem kleinen, fröhlichen Mädchen ein Geschenk mit roter Schleife. Daneben sitzen eine erwachsene Frau und ein älteres Mädchen, beide lächelnd. Auf dem Tisch steht Festessen wie ein Brathuhn, Brote und Kerzen; im Hintergrund sind weihnachtliche Dekorationen mit Lichtern, einem Lichterkranz und einem Tannenbaum zu sehen.

Fast alle Schwed*innen glauben, dass es üblich ist, dass Erwachsene sich in Gegenwart von Kindern zu Weihnachten betrinken. Dies geht aus der jüngsten Umfrage von Systembolaget hervor, die im Rahmen der Initiative »Kindheit ohne Kater« durchgeführt wurde. Die Organisation »Kinderrechte in der Gesellschaft« (Bris) berichtet ebenfalls, dass die Zahl der Anrufe von Kindern während der Weihnachtsferien zunimmt.

FASD in Skandinavien: Ein aktuelles Problem für die Gesundheit von Kindern

Die Flaggen der nordischen Länder Dänemark, Finnland, Schweden und Norwegen wehen im Wind, und ein Paar rote Turnschuhe symbolisiert die Fetalen Alkohol-Spektrumstörungen (FASD).

Am 9. September begeht die Welt den Internationalen Tag der fetalen Alkoholspektrum-Störungen (FASD), um auf ein vermeidbares, aber weit verbreitetes Gesundheitsproblem aufmerksam zu machen. In den nordischen Ländern ist FASD nach wie vor ein großes Problem, von dem jedes Jahr Tausende von Kindern betroffen sind. Obwohl die Statistiken von Land zu Land variieren, ist die Botschaft klar: Vorgeburtliche Alkoholexposition kann zu irreversiblen Schäden führen, und das Bewusstsein muss geschärft werden, um neue Fälle zu verhindern. Wie mehrere nordische Expert*innen und Organisationen betonen, müssen Maßnahmen ergriffen werden, um sicherzustellen, dass Kinder, die mit FASD geboren werden, die richtige Versorgung, Diagnose und Unterstützung erhalten.