
Die Alkoholpolitik im Vereinigten Königreich muss vor dem Einfluss der Industrie geschützt werden und sich an der öffentlichen Gesundheit orientieren, nicht an kommerziellen Interessen. Dies war die klare Botschaft einer von der »Society for the Study of Addiction« (SSA) organisierten Podiumsdiskussion, bei der sich am 4. Februar 2026 in Sheffield Expert*innen aus Forschung, klinischer Praxis, dem Bereich der öffentlichen Gesundheit sowie Betroffene trafen, um den aktuellen Stand der Alkoholpolitik und die Notwendigkeit einer neuen nationalen Alkoholstrategie zu erörtern.
Ein wesentlicher Teil der Diskussion konzentrierte sich auf die schwerwiegenden und oft unterschätzten gesundheitlichen Schäden, die mit Alkoholkonsum verbunden sind. Dr. Gautam Mehta beschrieb, dass bei vielen Patient*innen mit alkoholbedingten Lebererkrankungen die Diagnose erst gestellt wird, wenn sich ihre Erkrankung bereits in einem fortgeschrittenen Stadium befindet. Professorin Julia Sinclair wies darauf hin, dass Alkoholprobleme oft nicht zuerst in spezialisierten Behandlungseinrichtungen erkannt werden, sondern in Allgemeinkrankenhäusern und der Primärversorgung, wo Alkoholkonsum die Ursache für eine Vielzahl von Gesundheitsproblemen sein kann. Die Diskussionsrunde befasste sich auch mit der Rolle von Alkohol bei chronischen Gesundheitsschäden, darunter Krebs und Lebererkrankungen.
Die Referent*innen stellten zudem die Art und Weise in Frage, wie alkoholbedingte Schäden üblicherweise sowohl in der öffentlichen Debatte als auch in der Politik dargestellt werden. Aunee Bhogaita hob hervor, wie tief Alkohol in gesellschaftlichen Normen verankert ist, während Alice Wiseman argumentierte, dass die Vorstellung, alkoholbedingte Schäden seien lediglich ein »individuelles Problem«, stark von den Narrativen der Industrie geprägt sei. Clive Henn merkte an, dass sich dieselbe Perspektive auch in der Politikgestaltung widerspiegele, wo Alkohol oft in einer Weise diskutiert werde, die eher die Interessen der Industrie als die Prioritäten der öffentlichen Gesundheit widerspiegele.
Alle derzeitigen Alkoholpolitiken und Verweise auf Alkohol werden aus der Perspektive der Industrie betrachtet, in dem Sinne, dass es sich um ein ›individuelles Problem‹ handele.«
Clive Henn, ehemaliger politischer Berater und Public-Health-Experte
In der Diskussion wurde auch erörtert, wie die Alkoholindustrie die Politik beeinflusst – von der Gestaltung von Faktenlage und Debatte bis hin zum Einsatz rechtlicher Drohungen und politischer Beziehungen. Professor John Holmes skizzierte die verschiedenen Wege, auf denen dieser Einfluss in der Praxis zum Tragen kommt.
Wir wissen, dass die Industrie große Anstrengungen unternimmt, um die Alkoholpolitik zu steuern und deren Funktionsweise zu beeinflussen – durch den Aufbau von Bündnissen, die Steuerung von Informationen, Fakten und der öffentlichen Debatte, ihre Beziehungen zur Regierung und manchmal auch durch den Einsatz ›schwerer Geschütze‹, wie etwa rechtliche Drohungen, die Anfechtung von wissenschaftlichen Fakten oder den Entzug der Zusammenarbeit.«
Professor John Holmes, Leiter der Sheffield Addictions Research Group
Dr. Peter Rice wies darauf hin, dass Akteur*innen der Branche dazu neigen, sich nur auf einen engen Kreis von Schäden zu konzentrieren, wie etwa Alkoholkonsum von Minderjährigen oder Trunkenheit am Steuer, während sie umfassendere chronische Gesundheitsschäden außer Acht lassen.
Sie sprechen mit dir über Alkoholkonsum bei Minderjährigen. Sie sprechen mit dir über Alkohol am Steuer. Und sie sprechen mit dir über Alkoholkonsum in der Schwangerschaft. Sie sprechen nicht mit dir über Männer. Sie erwähnen keine chronischen Gesundheitsschäden.«
Dr. Peter Rice, Vorsitzender des Institute of Alcohol Studies (IAS)
Rosanna O’Connor schlug vor, dass die Alkoholpolitik von der Tabakkontrolle lernen könnte, wo strengere Schutzmaßnahmen bestehen, um die Einmischung der Industrie zu begrenzen.
Wir brauchen für Alkohol so etwas wie den Rahmen für die Tabakkontrolle. Ohne ihn werden wir für immer dem Einfluss ausgeliefert sein – er ist heimtückisch.«
Rosanna O’Connor, Vorsitzende von Collective Voice
Im Rückblick auf den Erfolg der politischen Diskussionsrunde erklärte die Vizepräsidentin der SSA, Dr. Sarah Welch: »Im Mittelpunkt unserer Mission steht es, wissenschaftliche Erkenntnisse über Suchtmittel und Suchtverhalten in Politik und Praxis einfließen zu lassen. Es geht darum, das Leben der Menschen positiv zu verändern, und genau dort – in Politik und Praxis – geschieht dies. Oft haben diejenigen, die wirklich Wichtiges zu sagen haben, nicht die Möglichkeit, an einem Ort zusammenzukommen.«
Die vollständige Aufzeichnung der Diskussionsrunde ist nun online verfügbar und leistet einen wichtigen Beitrag zu künftigen Diskussionen darüber, wie eine wirksame nationale Alkoholstrategie aussehen sollte.
England: Alkoholsteuern zeigen Wirkung

Neue Vorschriften zur Alkoholsteuer, die im August 2023 eingeführt wurden, verändern den britischen Alkoholmarkt. Im Rahmen der verbesserten Struktur basieren die Steuern nun auf dem Alkoholgehalt, was die Hersteller*innen dazu veranlasst, die Stärke ihrer Produkte zu senken, um die Kosten zu reduzieren.
Fast zwei Jahre später gibt es Anzeichen dafür, dass die Reform alle großen Brauereien dazu veranlasst hat, den Alkoholgehalt ihrer Produkte zu senken, um ihre Steuerkosten zu senken.
Diese Entwicklungen zeigen, dass die Alkoholbesteuerungspolitik die Alkoholversorgung, die Produktzusammensetzung und die Marketingstrategien wirksam beeinflussen kann.
Geplante Beschränkungen für Alkoholwerbung scheiterten nach Lobbyarbeit der Industrie

Pläne für Beschränkungen der Alkoholwerbung wurden von der britischen Regierung fallen gelassen, nachdem Unternehmen wie Budweiser, Greene King und Heineken davor gewarnt hatten, dass diese der Wirtschaft schaden würden.
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Quelle: Society for the Study of Addiction
Übersetzt mit www.DeepL.com
