Infografik der 5. Auflage des Europäischen Kodex gegen Krebs. Die Grafik stellt die 14 Empfehlungen des Kodex übersichtlich dar: Jede Empfehlung ist in einem farbigen Kasten mit Nummer, Thema und passendem Piktogramm abgebildet.

Pünktlich zum Weltkrebstag liegt die fünfte, aktualisierte Auflage des Europäischen Kodex gegen Krebs in deutscher Sprache vor. Er wird von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlicht und enthält 14 wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen, mit denen Menschen ihr persönliches Krebsrisiko senken können. Erstmalig beinhaltet er auch konkrete Handlungsempfehlungen für politische Entscheidungsträger*innen. Die Deutsche Krebshilfe und das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) fordern, dass Deutschland seine Präventionspolitik stärker an den Empfehlungen der WHO ausrichtet, um das Potenzial der Krebsprävention voll auszuschöpfen.

IARC verschärft bisherige Präventionsempfehlungen

Zu einem krebsvorbeugenden Lebensstil gehören unter anderem ein Leben ohne Tabak, eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ein gesundes Körpergewicht und Schutz vor UV-Strahlung. Die IARC hat einige Empfehlungen erweitert oder verschärft: So warnt der Kodex nun auch vor dem Konsum von E-Zigaretten und Vapes. Zudem raten die Autor*innen zu einem alkoholfreien Leben und dem Verzicht auf die Nutzung von Solarien.

Erweiterung auf 14 Empfehlungen

Infografik der World Health Organization European Region, das zur körperlichen Aktivität im Rahmen der Krebsprävention aufruft. Sie zeigt ein grünes Schild mit einem weißen Piktogramm einer gehenden Person und dem Text 'PHYSICAL ACTIVITY'. Darunter steht 'Be physically active' und der Titel 'EUROPEAN CODE AGAINST CANCER: 14 ways you can prevent cancer'.Eine von 14 Möglichkeiten, Krebs vorzubeugen: Körperliche Aktivität

Der Kodex umfasst nun 14 statt zwölf Handlungsempfehlungen, die Menschen dabei helfen, ihr Krebsrisiko zu verringern. Erstmals hat die IARC Umweltverschmutzung als Risikofaktor berücksichtigt. Der Kodex empfiehlt unter anderem, sich mit Bus und Bahn, zu Fuß oder mit dem Fahrrad fortzubewegen statt das Auto zu nutzen oder auf Feuerstätten in Innenräumen zu verzichten.

Zwei separate Empfehlungen richten sich an Frauen. Für junge Mütter gilt: Möglichst langes Stillen senkt das Risiko für Brustkrebs. Frauen mit Beschwerden in den Wechseljahren sollten eine Hormonersatztherapie nur nach ärztlicher Rücksprache und so kurz wie nötig einsetzen.

Deutliche Worte zu Alkohol

Piktogramm Nummer 6 mit dem Text ALCOHOL: Weiße Silhouetten einer Flasche, eines Cocktailglases und eines Bierkrugs sind diagonal durchgestrichen auf olivgrünem Hintergrund.

Während die Empfehlung zum Alkoholkonsum in der vorigen Auflage noch lautete, ihn nur zu beschränken, heißt es nun: »Vermeiden Sie alkoholische Getränke.«. Und die Liste der Forderungen an die Politik steht im Einklang mit bestehenden internationalen Richtlinien:

  • Erhöhung der Preise für Alkohol durch Besteuerung, um Alkohol weniger erschwinglich zu machen.
  • Festlegung eines Mindestpreises für alle alkoholischen Getränke.
  • Einschränkung der Verfügbarkeit und Zugänglichkeit aller alkoholischen Getränke.
  • Sicherstellen, dass in öffentlichen Gastronomiebetrieben keine alkoholischen Getränke angeboten werden.
  • Erhöhung des gesetzlichen Mindestalters für den Verkauf und Ausschank aller alkoholischen Getränke auf mindestens 19 Jahre.
  • Verbot oder Einschränkung von Werbung, Verkaufsförderung und Sponsoring für alle alkoholischen Getränke in allen Medien und zu allen Zwecken, insbesondere solchen, die sich an Minderjährige richten.
  • Erleichterung des Zugangs zu Vorsorgeuntersuchungen, Kurzinterventionen und Behandlungen von Alkoholkonsumstörungen in der Primärversorgung und in kommunalen Einrichtungen.
  • Einführung von Gesundheitswarnungen in Bezug auf Alkoholkonsum und Nährwertangaben auf allen alkoholischen Getränken.
  • Ergänzend zu den oben genannten politischen Maßnahmen sollten regelmäßig Kampagnen zur Gesundheitsförderung durchgeführt werden, um das Bewusstsein für die schädlichen Auswirkungen des Alkoholkonsums auf die Gesundheit und dessen Zusammenhang mit dem Krebsrisiko zu schärfen.

Staat trägt Verantwortung, gesundes Verhalten zu fördern

Infografik der WHO European Region auf grünem Hintergrund mit dem Logo oben rechts. Zentral ein Foto eines grünen Radwegs mit weißem Fahrrad-Piktogramm. Darunter der englische Text: 'POLICYMAKERS, here's what you can do. Design cities and systems that enable daily physical activity.'WHO-Appell an Entscheidungsträger*innen, Städte für tägliche körperliche Aktivität zu gestalten

Mit der fünften Auflage richtet sich die IARC erstmals ausdrücklich an die Politik. Sie fordert wirksame gesetzliche Maßnahmen, um gesunde Entscheidungen im Alltag zu erleichtern. Dazu gehören unter anderem höhere Steuern auf Tabak- und Nikotinprodukte, Alkohol, zuckerreiche Lebensmittel und stark verarbeitetes Fleisch. Ergänzend sollen Informationskampagnen die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stärken.

Auch beim Impfschutz sieht die IARC eine zentrale staatliche Verantwortung. Sie empfiehlt, die Impfprogramme gegen Hepatitis B und humane Papillomaviren auszubauen. Darüber hinaus müssen politische Entscheidungsträger*innen für bessere Arbeitsschutzmaßnahmen sorgen, insbesondere für Menschen, die im Freien oder mit krebserregenden Stoffen arbeiten. Durch kluge Stadtplanung soll zudem die Luftqualität verbessert werden, beispielsweise indem Schulen und Kitas nicht an stark befahrenen Straßen gebaut werden.

Dass der Kodex nun erstmals auch die Politik in die Pflicht nimmt, begrüßen wir sehr.«
Michael Baumann, DKFZ
Porträt von Michael Baumann.

»Allein im Jahr 2023 erhielten rund 520.000 Menschen in Deutschland die Diagnose Krebs. Zwei von fünf dieser Erkrankungen wären durch gesundheitsbewusstes Verhalten vermeidbar gewesen. Viele der Schicksale könnten durch Prävention und Früherkennung verhindert oder deutlich abgemildert werden. Der Europäische Kodex gegen Krebs bündelt wissenschaftlich gesicherte Empfehlungen und ist damit ein unverzichtbares Instrument für alle, die ihre Gesundheit aktiv schützen wollen. Dass der Kodex nun erstmals auch die Politik in die Pflicht nimmt, begrüßen wir sehr.«
Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des DKFZ

Es bedarf einer Gesetzgebung, die gesunde Lebensräume für alle schafft.«
Gerd Nettekoven, Krebshilfe
Porträt von Gerd Nettekoven.

»Krebsprävention ist mehr als eine individuelle Aufgabe. Es bedarf einer Gesetzgebung, die gesunde Lebensräume für alle schafft. Prävention und Gesundheitsförderung müssen deshalb ein zentraler Bestandteil politischer Strategien sein. Das Wissen ist vorhanden – wir müssen das enorme Präventionspotenzial endlich nutzen! Wir werden nicht müde, die Politik aufzufordern, aktiv zu werden. Davon würde jeder und jede Einzelne sowie die Gesellschaft als Ganzes profitieren.«
Gerd Nettekoven, Vorstand der Deutschen Krebshilfe

Europäischer Kodex gegen Krebs, 5. Auflage: 14 Möglichkeiten, wie Sie Krebs vorbeugen können

Titel: European Code Against Cancer 5th edition: 14 ways you can help prevent cancer

Autor*innen: Carolina Espina ∙ David Ritchie ∙ Elio Riboli ∙ Hans Kromhout ∙ Silvia Franceschi ∙ Iris Lansdorp-Vogelaar ∙ Theresa M. Marteau ∙ Ioanna Bakogianni ∙ Nadia Vilahur ∙ Catherina J. Alberts ∙ Urska Ivanus ∙ Ariadna Feliu ∙ Erica D'Souza ∙ Hajo Zeeb ∙ Giota Mitrou ∙ Tit Albreht ∙ Joakim Dillner ∙ Jérôme Foucaud ∙ Marta Manczuk ∙ Jose María Martin-Moreno ∙ Rene H. Medema ∙ Deirdre Murray ∙ Peter Nagy ∙ Florian Nicula ∙ Mary Nyangasi ∙ Karen Steindorf ∙ Anne Tjønneland ∙ Michele Cecchini ∙ Marilys Corbex ∙ Magdalena Stepien ∙ Wendy Yared ∙ André L. Carvalho ∙ Joachim Schüz ∙ Arbeitsgruppen wissenschaftlicher Expert*innen

Quelle: The Lancet Regional Health

Datum der Veröffentlichung: 23. Januar 2026

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Zusammenfassung

Trotz der zunehmenden Krebsbelastung in der Europäischen Union ist das öffentliche Bewusstsein für wirksame Prävention gering. Als Reaktion darauf hat der europäische Plan zur Krebsbekämpfung die Entwicklung der 5. Auflage des Europäischen Kodex gegen Krebs (ECAC5) unterstützt. In einem transparenten, schrittweisen Entscheidungsprozess haben rund 80 Expert*innen die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Krebsprävention geprüft und moderne Kommunikationsstrategien genutzt, um die vorherige Auflage zu aktualisieren. Eine Neuerung im ECAC5 ist die Aufnahme von Empfehlungen auf Bevölkerungsebene, die darauf abzielen, die Systeme, die individuelle Entscheidungen beeinflussen, strukturell zu verändern und die Umweltbedingungen zu verbessern, denen alle Bürger*innen unfreiwillig ausgesetzt sind. Der ECAC5 enthält 14 umsetzbare, evidenzbasierte Empfehlungen für Einzelpersonen zur Verringerung ihres Krebsrisikos sowie entsprechende politische Empfehlungen. Alle Empfehlungen werden unter dem Gesichtspunkt der Gerechtigkeit präsentiert, wobei der Fokus auf den zusätzlichen Vorteilen für die Prävention anderer nicht übertragbarer Krankheiten und der Anpassung der Botschaften an unterschiedliche Zielgruppen liegt. Klare, evidenzbasierte Aussagen zu Krebsrisikofaktoren und wirksamen Präventionsmaßnahmen werden die Bürger*innen in die Lage versetzen, gesündere Entscheidungen zu treffen, die Politik zum Handeln auffordern, die öffentliche Unterstützung für wirksame Maßnahmen fördern und zu einer effektiveren Krebsprävention beitragen.

Quellen:

Übersetzt mit www.DeepL.com