Ball mit gestresstem Gesichtsausdruck auf Holzbrett. Daneben das Zitat von Dr. Ahmed Tawakol: 'Wir plädieren nicht dafür, Alkohol zu trinken, um das Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls zu verringern, denn es gibt andere bedenkliche Auswirkungen von Alkohol auf die Gesundheit.'

Eine neue Studie, die in diesem Monat im Journal of the American College of Cardiology veröffentlicht wurde, legt nahe, dass leichter bis mäßiger Alkoholkonsum mit einer Verringerung der Stressaktivität im Gehirn und somit mit einem geringeren Risiko für Herzerkrankungen einhergeht.

Die Studie basierte auf der Annahme, dass mäßiger Alkoholkonsum mit einem geringeren Risiko für Herzerkrankungen einhergeht – eine Annahme, die in den letzten Jahren zunehmend in Frage gestellt wurde (siehe den folgenden Abschnitt für weitere Einzelheiten: Qualitativ bessere Studien haben unser Verständnis verbessert).

Die Forscher*innen untersuchten die Auswirkungen von leichtem bis mäßigem Alkoholkonsum – definiert als 1 bis 14 Getränke pro Woche – auf die stressbezogene Gehirnaktivität im Ruhezustand. Bei Personen, die wenig Alkohol tranken, zeigten die Scans eine verringerte Stresssignalisierung in der Amygdala, einer Region des Gehirns, die mit der Stressreaktion in Verbindung steht. Der Autor der Studie, Dr. Ahmed Tawakol, sagte: »Wir haben herausgefunden, dass die Veränderungen im Gehirn von Personen, die leicht bis mäßig Alkohol trinken, einen wesentlichen Teil der schützenden Wirkung auf das Herz erklären.« Er fügte jedoch hinzu:

Wir plädieren nicht dafür, Alkohol zu trinken, um das Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls zu verringern, denn es gibt andere bedenkliche Auswirkungen von Alkohol auf die Gesundheit. Wir wollten verstehen, wie leichter bis mäßiger Alkoholkonsum das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt, wie es in vielen anderen Studien nachgewiesen wurde.«

Professor Naveed Sattar, Professor für Stoffwechselmedizin an der Universität von Glasgow, kritisierte die Methodik:

Das Problem besteht darin, dass wir wissen, dass jeder Alkoholkonsum mit Schlaganfällen und Herzversagen sowie mit einem Anstieg von Krebserkrankungen und Todesfällen aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht wird. Sich nur auf einen kleinen Aspekt zu konzentrieren, auch wenn er wahr ist, vermittelt einen falschen Eindruck, und der Titel ›Bessere Herzgesundheit bei leichtem bis mäßigem Alkoholkonsum‹ ist irreführend und hält alte Mythen aufrecht, von denen wir uns wirklich verabschieden sollten.«

Sowohl Professorin Petra Meier (Universität Glasgow) als auch Dr. Sadie Boniface (Institute of Alcohol Studies) wiesen darauf hin, dass in der Studie nicht alle Störfaktoren berücksichtigt wurden:

In der Studie konnten einige dieser Faktoren berücksichtigt werden, jedoch nicht in vollem Umfang. So wurden beispielsweise der lebenslange Alkoholkonsum und die ethnische Zugehörigkeit nicht berücksichtigt.«
Prof. Petra Meier
Die Auswirkungen von Alkohol auf die Gesundheit sind vielfältig. In dieser Studie wurden höhere Krebsraten bei mäßigen Alkoholkonsument*innen und eine schlechtere kognitive Gesundheit bei Personen mit höherem Alkoholkonsum festgestellt. Dies deckt sich mit dem, was wir aus anderen Studien wissen.«

Der Journalist und Schriftsteller Adrian Chiles, der über seinen früheren starken Alkoholkonsum und die gesundheitlichen Schäden, die Alkohol verursacht, geschrieben hat, kommentierte in The Guardian:

Eine weitere Woche, ein weiterer Artikel, der behauptet, dass Alkohol gut für die Gesundheit sein kann. Es ist erstaunlich, wie verzweifelt die Konsument*innen versuchen, sich etwas vorzumachen.
Das Problem ist, dass es Alkoholkonsument*innen, PR-Fachleute der Industrie und liberale Anti-›Nanny-State‹-Kulturkämpfer*innen gibt, die diese Geschichte noch in vielen Jahren ausgraben werden, um sie in Diskussionen zu verwenden.«

Qualitativ bessere Studien haben unser Verständnis verbessert

Zahlreiche Studien haben im Laufe der Jahre eine J-förmige Beziehung zwischen dem Alkoholkonsum und dem Risiko von Herzkrankheiten festgestellt. Dies deutet darauf hin, dass diejenigen, die mäßig Alkohol trinken, ein geringeres Risiko für Herzkrankheiten haben als diejenigen, die viel trinken, aber auch diejenigen, die alkoholfrei leben. In Studien mit diesen Ergebnissen wurde häufig darauf hingewiesen, dass dies auf Störfaktoren zurückzuführen sein könnte, zum Beispiel darauf, dass mäßige Alkoholkonsument*innen im Allgemeinen gesünder sind als Abstinente.

In den letzten Jahren wurden diese Ergebnisse durch qualitativ hochwertigere Studien widerlegt, bei denen die Methode der Mendelschen Randomisierung angewandt wurde. Aus ethischen Gründen ist die Durchführung einer randomisierten Kontrollstudie im Zusammenhang mit Alkoholkonsum nicht möglich, weshalb Beobachtungsstudien durchgeführt werden. Die Mendelsche Randomisierung kann jedoch in gewisser Weise das Design einer randomisierten kontrollierten Studie nachbilden, da sie die genetische Varianz nutzt, um in Beobachtungsstudien die kausalen Auswirkungen einer variablen Exposition – in diesem Fall Alkoholkonsum – auf Krankheiten zu untersuchen. Das Ergebnis dieser Studien ist, dass Alkohol keine kardioprotektive Wirkung hat.

Eine in der Fachzeitschrift »Cardiology« veröffentlichte Studie aus dem Jahr 2021 kommt zu dem Schluss, dass »Alkoholkonsum auf allen Ebenen mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist«, wobei das Risiko bei mäßigem Alkoholkonsum relativ gering ist, bei höherem Alkoholkonsum jedoch rasch ansteigt.

Quelle: Newsletter »Alcohol Alert« vom 30. Juni 2023 des Institute of Alcohol Studies (IAS)

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