
Frankreich fällt bei der Umsetzung der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen bewährten Maßnahmen zur Alkoholpolitik weiterhin hinter den Erwartungen zurück – und das trotz erheblicher alkoholbedingter Gesundheitsschäden. Eine neue qualitative Studie beleuchtet die Gründe dafür.
Interviews mit Abgeordneten zeigen, dass diese eine zwiespältige Haltung gegenüber Alkohol einnehmen. Sie bevorzugen Maßnahmen mit geringen Auswirkungen und unterstützen evidenzbasierte Instrumente wie Mindestpreise pro Alkoholeinheit nur begrenzt. Gleichzeitig haben Akteur*innen der Alkoholindustrie häufiger Zugang zu Entscheidungsträger*innen als Vertreter*innen des öffentlichen Gesundheitswesens.
Die Ergebnisse zeigen auf, wie sich die Argumente der Industrie, politische Untätigkeit und der unverhältnismäßig große Einfluss der Alkohol-Lobby gegenseitig verstärken und so lebensrettende Reformen der Alkoholpolitik blockieren.
Erkenntnisse aus Interviews mit Abgeordneten
Titel: Barriers to evidence-based alcohol policies in France: Insights from interviews with parliament members
Autor*innen: Ana Millot, François Topart, Janet Hoek, Karine Gallopel-Morvan
Zitierung: Ana Millot, François Topart, Janet Hoek, Karine Gallopel-Morvan, Barriers to evidence-based alcohol policies in France: Insights from interviews with parliament members, International Journal of Drug Policy, Volume 149, 2026, 105172, ISSN 0955-3959, https://doi.org/10.1016/j.drugpo.2026.105172.
Quelle: International Journal of Drug Policy
Datum der Veröffentlichung: 30. Januar 2026
Zusammenfassung
Hintergrund
In Frankreich werden die vom SAFER-Programm der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen evidenzbasierten Maßnahmen nach wie vor nur unzureichend umgesetzt, obwohl der Alkoholkonsum und die alkoholbedingten Schäden relativ hoch sind.
Um dieses Paradoxon zu verstehen, nutzten die Forscher*innen Kingdons »Multiple Streams Approach« (MSA) als Rahmenkonzept, um zu analysieren, wie Mitglieder des französischen Parlaments Alkohol wahrnehmen und wie Vertreter*innen der Alkoholindustrie und der öffentlichen Gesundheit deren Entscheidungsfindung beeinflussen.
Methoden
Die Forscher*innen führten 25 Interviews mit französischen Abgeordneten und Senatoren aus verschiedenen politischen Parteien und Regionen durch. Sie erstellten den Interviewleitfaden in Anlehnung an die drei Stränge des »Multiple Streams Approach«: Problem, Politik und politischer Kontext.
Die Forscher*innen führten eine thematische Inhaltsanalyse der Interviewdaten durch und nutzten dabei Nvivo zur Datenverwaltung.
Ergebnisse
Die befragten Abgeordneten und Senatoren vertraten eine zwiespältige Haltung zum Thema Alkohol (Problembereich): Sie räumten zwar dessen gesundheitliche und soziale Schäden ein, hoben jedoch auch dessen kulturelle und wirtschaftliche Vorteile hervor. Sie befürworteten Maßnahmen der Alkoholpolitik mit geringer Evidenzbasis (beispielsweise Aufklärung und gezielte Prävention) und zeigten nur begrenzte Unterstützung für Maßnahmen zur Einführung von Mindestpreisen pro Einheit (politischer Bereich).
>Es wurden mehrere Argumente der Alkoholindustrie gegen Mindestpreise angeführt, darunter negative wirtschaftliche Auswirkungen und illegaler Handel.
Die befragten Abgeordneten und Senatoren gaben zudem an, häufiger mit Vertreter*innen der Alkoholindustrie als mit solchen aus dem Gesundheitswesen (politischer Bereich) in Kontakt zu stehen.
Schlussfolgerung
Im Einklang mit den Bereichen des »Multiple Streams Approach« deuten die Ergebnisse der Studie darauf hin, dass eine ambivalente Darstellung des Themas Alkohol, eine schwache Unterstützung für evidenzbasierte Maßnahmen und ein weinfreundliches politisches Umfeld die unzureichende Alkoholpolitik in Frankreich erklären könnten.
Zukünftige Forschungsarbeiten sollten weitere Interessengruppen einbeziehen, um die gesamte Bandbreite der Dynamiken zu erfassen, die zur politischen Trägheit beitragen.
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Quelle: MOVENDI International
Übersetzt mit www.DeepL.com
