Bushaltestelle mit Bierwerbung vor einem Schulgebäude an einer regennassen Straße. Auf dem Werbeplakat, das drei Personen mit Bierflaschen in einem Schlauchboot zeigt, klebt ein Protestaufkleber mit der Aufschrift: 'Alkoholwerbung vor der Grundschule? Unser Bildungsauftrag! #Alkohol-Lobby'. Im Hintergrund sind ein modernes Schulgebäude, eine Hecke und Bäume unter bewölktem Himmel zu sehen.

Heute wurden in Marburg Werbeplakate für Bier verändert. Das Adbusting-Kollektiv »DIES IRAE« kaperte unter anderem Werbetafeln vor der Sophie-von-Brabant-Schule und versah sie mit Hinweisen wie »Alkoholwerbung vor der Grundschule? Unser Bildungsauftrag! #Alkohol-Lobby«.

Sollten Kinder und Jugendliche auf dem Schulweg Werbeplakate für Bier sehen müssen?

In Marburg hängen derzeit zahlreiche Werbeplakate an Haltestellen und Litfaßsäulen, die für die Marke »Chiemseer« werben. Sogar unmittelbar vor der Sophie-von-Brabant-Schule in der Willy-Mock-Straße 12 wurden solche Werbeplakate von Ströer aufgehängt. An den von Schüler*innen hochfrequentierten Schulwegen Leopold-Lucas-Straße sowie an den Haltestellen Radestraße und Wilhelmsplatz werben diese Plakate mit drei jungen Menschen, die sich vergnügt auf einem Schlauchboot zuprosten.

Heute in den frühen Morgenstunden wurden vier dieser Plakate mit satirischen Hinweisen versehen. Dazu wurden die Werbekästen geöffnet und Papier mit handgemalten Botschaften darüber geklebt.

Die freiwillige Selbstverpflichtung wird ignoriert und ist ein zahnloser Tiger.«
DIES IRAE

Eigentlich gibt es eine Selbstverpflichtung der Alkoholindustrie, nicht vor Schulen zu werben. Dazu sagt die Sprecherin von DIES IRAE: »Werbung vor Schulen, Kitas, Jugendclubs. Die Standorte sind nicht zufällig gewählt. Die freiwillige Selbstverpflichtung wird ignoriert und ist ein zahnloser Tiger. Es braucht ein generelles Werbeverbot für alkoholische Produkte. Kinder und Jugendliche sind der bunten Werbewelt von Alkohol im öffentlichen Raum ausgeliefert, da Alkoholwerbung gesetzlich nicht beschränkt ist.«

Werbeplakat an einer Bushaltestelle für die Kampagne 'Kenn dein Limit': Zwei lächelnde Männer stehen draußen zusammen. Große Überschrift: 'Perfekt, wie es ist. Die schönsten Momente brauchen keinen Alkohol.' Daneben ein gelber Kasten mit QR-Code und dem Text 'Probier’s aus. Mach mit beim Oktober ohne Alkohol.' Unten steht 'ALKOHOL? Kenn dein Limit.' mit dem dazugehörigen Logo und der Webadresse.

Da es keinen unschädlichen Konsum von Alkohol gibt, versuchen Präventionskampagnen wie »Kenn dein Limit« über die Folgen des Alkoholkonsums aufzuklären. Ein Plakat dieser Kampagne hängt derzeit ebenfalls vor der Grundschule.

»Die ganze Absurdität der Alkoholpolitik gibt es in Marburg zu sehen. Da wirbt ein Bierhersteller direkt vor einer Grundschule. Auf der anderen Seite der Werbetafel wirbt die Gegenkampagne mit viel geringerem Budget. Ein Ungleichgewicht, das symbolisch für den laschen Umgang mit Alkoholwerbung steht«, kommentiert die Sprecherin der bundesweit aktiven Adbusting-Gruppe.

Alkoholwerbung verletzt Kinderrechte

Bierreklame wirbt für ein Produkt, das süchtig machen kann und die Gesundheit schädigt. Deshalb gefährdet dessen Marketing das Kindeswohl und verletzt die Rechte des Kindes auf Leben, Information, Gesundheit und Schutz vor Suchtmitteln.

Diese Rechte sind in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschrieben, zu deren Umsetzung Deutschland verpflichtet ist. Der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes drängt seit langem darauf, dass die Staaten das Marketing für Alkohol und Tabak regulieren oder sogar verbieten.

Aus der Gesamtheit der Kinderrechte ergibt sich: Kinder haben ein Recht auf Schutz vor der Alkoholindustrie. Das bedeutet, dass Kinder und Jugendliche ein Recht auf eine Umgebung haben, die frei von Alkoholwerbung ist.

Alkoholwerbung verletzt Kinderrechte

Ein Junge und ein Mädchen blicken schockiert auf ein Smartphone in der Hand des Jungens.

In einer Welt, in der das Wohlergehen unserer Jugend ein gemeinsames Anliegen ist, bleibt die harte Wahrheit bestehen: Gesundheitsschädigende Industrien, wie die Alkoholindustrie, haben es oft auf unsere Kinder abgesehen und beuten sie aus. Es ist an der Zeit, schreibt Runa, dass die Regierungen handeln und rücksichtslose Geschäftspraktiken als das erkennen, was sie sind – eine Verletzung der Rechte unserer Kinder.

Alkoholmarketing zielt auf unsere Kinder ab. Es wird Zeit, dass wir darüber sprechen

Gruppenfoto von fünf fröhlichen Mädchen in rot-weißen Fußballtrikots auf einem Spielfeld im Abendlicht. Die Kinder unterschiedlicher Herkunft sitzen dicht beieinander auf dem Rasen. Oben rechts freigestellt im Kreis: Kopfporträt von Linda de Keyser mit dunklem Blazer und schwarzem Rollkragenpullover.

Untersuchungen zeigen, dass Kinder bereits im Alter von zwei Jahren Alkoholmarken erkennen und im Alter von vier Jahren Alkohol mit dem Erwachsenenleben in Verbindung bringen – was Alkoholkonzerne wissen und durch hinterhältige Praktiken ausnutzen, die für Eltern schwer zu erkennen sind.

Die Ergebnisse untermauern die Argumente für ein Verbot von Alkoholwerbung, ‑sponsoring und ‑verkaufsförderung, um die Sichtbarkeit von Alkoholmarketing zu verringern. Es genügt also nicht, nur die Inhalte zu regulieren.

In diesem Beitrag kombiniert die besorgte Mutter und Verfechterin von Kinderrechten und öffentlicher Gesundheit, Linda de Keyser, diese Erkenntnisse mit ihren eigenen Erfahrungen mit Alkoholwerbung bei den Fußballspielen ihres Sohnes, um überzeugende Argumente für ein Verbot von Alkoholwerbung und ‑sponsoring vorzubringen.

Da die von Belgien vorgeschlagenen Werberegeln hinter den Anforderungen der Kinderrechte zurückbleiben und die FIFA-Weltmeisterschaft weltweit schätzungsweise 1,7 Milliarden Kinder mit Alkoholwerbung konfrontiert, fordert Linda eine öffentliche Debatte, die der Dringlichkeit der Lage gerecht wird.

Quelle: Pressemitteilung von DIES IRAE