
Wiebke Lorenz auf der Bühne bei der szenischen Präsentation ihres Romans im Hamburger Nochtspeicher
Nora Stern ist Schauspielerin, Mutter, Alkoholikerin und seit drei Jahren abstinent. Ihr Leben verläuft ruhig und geregelt. Doch dann wird sie hinterrücks niedergeschlagen und erwacht eingesperrt in einem fremden Partykeller. Auf dem Bartresen: ein gut sortiertes Buffet. Getränke? Nichts – außer Alkohol.

Nach Tagen kommt sie auf einer Wiese zu sich. In Freiheit, aber zurück an der Flasche. Nora muss trocken werden. Schnell. Bald stehen Dreharbeiten an, und im Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann macht sich Trunkenheit eher schlecht. Nur: So leicht ist es nicht. Beim Kauf von neuem Stoff wird Nora von einem Paparazzo abgelichtet – Zufall?
Nora beginnt zu ermitteln. Gegen Widerstände. Gegen alte Feinde. Und gegen eine Sucht, die geduldig auf jede Chance wartet.
Je näher sie der Wahrheit kommt, desto brüchiger wird ihre eigene Erinnerung. Schließlich stellt sich die entscheidende Frage: Wem kann man trauen, wenn der eigene Kopf zum Tatort wird? Voll im falschen Film ist ein schwarzer, bitterkomischer Roman über Abhängigkeit, Demütigung und die dünne Linie zwischen Täter und Opfer.

Die Würde des Menschen ist unantastbar – auch die des Besoffenen.«
Wiebke Lorenz
Wiebke Lorenz studierte Germanistik und Anglistik und ist ausgebildete Drehbuchautorin und Journalistin. Neben ihren erfolgreichen Thrillern schreibt sie unter dem Pseudonym Charlotte Lucas sowie gemeinsam mit ihrer Schwester als Anne Hertz Romane, die regelmäßig auf der Spiegel-Bestsellerliste stehen, in zahlreiche Sprachen übersetzt und zum Teil verfilmt wurden. Sie lebt mit ihrer Familie in Hamburg.
Ich schreibe über eine Krankheit, die ich selbst habe. Nur habe ich diesmal sehr viel länger gebraucht, bis ich öffentlich darüber reden konnte. Ja, ich bin alkoholkrank. Das ist keine Beichte, nebenbei bemerkt, denn ich habe nichts zu beichten. Alkoholismus ist eine Diagnose, so wie Heuschnupfen eine Diagnose ist. Nur dass einen beim Heuschnupfen niemand dafür verprügelt.«
Wiebke Lorenz
Wiebke Lorenz verpackt ihre Alkoholerkrankung in einen unterhaltsamen Krimi mit viel schwarzem Humor. Von sarkastischen Bemerkungen über ihre Therapieerfahrungen – wie das Produzieren von Aschenbechern aus Speckstein, wofür sie bei der Frage nach dem Sinn vom Chefarzt keine Einsicht in ihre Erkrankung bescheinigt bekommt – bis hin zur gesellschaftlichen Doppelmoral, die das Feiern mit Alkohol bejubelt, aber diejenigen ächtet, die daran erkranken, muss man beim Lesen oft auflachen – und das ist auch die Absicht der Schriftstellerin:
Tatächlich ist das Buch eher ein trojanisches Pferd – ein Pamphlet gegen die gesellschaftliche Abwertung von Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung. Ein lustiges Pamphlet, okay. Aber eben ein Pamphlet. Und mit Humor kann ich den Leserinnen und Lesern dieses wichtige und schwierige Thema viel besser ›unterjubeln‹.«
Wiebke Lorenz
Wenn bei einem Krebspatienten eine neue Metastase auftaucht, käme niemand auf die Idee, ihn dafür verantwortlich zu machen. Bei uns ›Alkis‹ ist das anders.«
Wiebke Lorenz
Der Roman widmet sich auch der Doppelmoral, die Alkohol trinkende Mütter schlimmer verurteilt als Alkohol trinkende Väter. »Ein Mann, der säuft, hat sich mal ordentlich einen hinter die Binde gekippt. Eine Frau, die säuft, hat sich nicht im Griff.«. In ihrem Roman bringt es Wiebke Lorenz so auf den Punkt:
Ein Vater, der trinkt, hat Dämonen. Saufende Mütter sind Monster.«
Beim Deutschen Suchtkongress 2026 im Hamburger Universitätsklinikum (UKE) moderierte Wiebke Lorenz das Symposium »Integrative Suchtbehandlung im Wandel: Realitäten, Hemmschwellen und Bruchstellen«. Darin outete sie sich als ehemalige »Drehtürpatientin« der UKE-Suchtabteilung und verdeutlichte damit das Fehlen einer Tür in die Behandlung, die besser zu ihrer Person und deren Erkrankung gepasst hätte. Deutlich wurde auch ihre Kritik an der noch viel zu oft geübten Praxis in Suchtfachkliniken, die Behandlung abzubrechen, sobald das Suchtmittel wieder konsumiert wird. Diese Praxis lässt den sogenannten »Rückfall« sprachlich eher als Charakterschwäche aussehen, als dass sie ihn als Bestandteil des Krankheitsbildes anerkennt, bei dem die Substanz die Gehirnfunktionen nachhaltig verändert. Auch dies findet sich im Roman in einem pointierten Satz wieder:
Alkoholismus ist die einzige Erkrankung, bei der man bestraft wird, sobald man Symptome zeigt.«
Wiebke Lorenz
Lob an den Verlag
Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich für ›Voll im falschen Film‹ einen Verlag gefunden habe. Die großen Häuser haben sich nicht rangetraut. Alkoholismus und witzig, das ging in deren Köpfen nicht zusammen, so etwas dürfe man nicht machen. Bis der Pendragon-Verlag verstanden hat, dass gerade der Humor diese Geschichte erst möglich macht, und mutig genug war, meinen Roman zu veröffentlichen. Dafür bin ich sehr dankbar.«
Wiebke Lorenz
Quellen:
- Verlag Pendragon
- Wiebke Lorenz auf Instagram
- Foto Wiebke Lorenz von Markus Henneberg
