
Am 29. September, dem Welt-Herz-Tag, wird der Europaabgeordnete Dario Nardella (S&D) im Europäischen Parlament eine vom Europäischen Komitee der Weinunternehmen (CEEV) organisierte Veranstaltung zur Rolle des Weins in gesundheitspolitischen Debatten ausrichten.
Europäische Organisationen im Bereich der öffentlichen Gesundheit halten es für völlig unangemessen, dass ein Europaabgeordneter der Alkoholindustrie in einer gesundheitspolitischen Debatte eine Plattform bietet, insbesondere an einem Tag, der der Sensibilisierung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und deren Prävention gewidmet ist.
Zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich für die Verringerung alkoholbedingter Schäden in Europa einsetzen, lehnen Veranstaltungen wie diese ab, da sie kommerziellen Interessen einen Platz am Tisch der Entscheidungsträger*innen der EU-Gesundheitspolitik einräumen. Eine Gesundheitspolitik sollte sich an unabhängigen wissenschaftlichen Erkenntnissen und dem öffentlichen Interesse orientieren und angemessene Schutzmaßnahmen gegen Interessenkonflikte vorsehen.
Der Zeitpunkt der Veranstaltung gibt Anlass zu besonderer Besorgnis. Sie findet am Welt-Herz-Tag statt, obwohl ein Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekannt ist. Dr. Ole Johan Bakke, Präsident des Ständigen Ausschusses der europäischen Ärzte (CPME), erklärte:
Die Europäische Union und die nationalen Regierungen müssen das Ausmaß der Auswirkungen kommerzieller Praktiken auf die Gesundheit anerkennen. Die öffentliche Gesundheit und das Wohlbefinden müssen bei politischen Entscheidungen Vorrang haben. Dies erfordert koordinierte Anstrengungen, politischen Willen und Mut.«
Dr. Ole Johan Bakke, CPME
Die World Heart Federation stuft Alkohol als einen der Hauptrisikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein und fordert, dass die Politik vor Einmischungen der Industrie geschützt wird. Die Europäische Region der WHO weist die weltweit höchste Alkoholkonsumrate auf, wobei Alkohol jährlich zu rund 800.000 Todesfällen beiträgt. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Ursache für alkoholbedingte Todesfälle in der Region und machen etwa die Hälfte aller alkoholbedingten Todesfälle aufgrund nichtübertragbarer Krankheiten aus. Birgit Beger, Geschäftsführerin des European Heart Network (EHN), erklärte:

Auch wenn Alkohol tief in der europäischen Kultur und Tradition verwurzelt ist, dürfen wir seine schädlichen Auswirkungen auf unsere Gesundheit nicht ignorieren. Das Positionspapier des European Heart Network stellt die weit verbreitete Annahme in Frage, dass ein geringer bis mäßiger Alkoholkonsum das Herz schützt. Alkohol ist nach wie vor ein bedeutender Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und verantwortlich für fast 50.000 Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der EU pro Jahr.«
Birgit Beger, EHN
Alkohol ist nach wie vor ein bedeutender Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.«
Birgit Beger, EHN
Alkoholbedingte Schäden gehen über Herz-Kreislauf-Erkrankungen hinaus. Alkoholkonsum steht auch im Zusammenhang mit einer Reihe weiterer nicht übertragbarer Krankheiten und Beschwerden, darunter verschiedene Krebsarten, Lebererkrankungen und Erkrankungen des Verdauungstrakts.

Die politischen Entscheider*innen sollten bedenken, dass die vorrangige Verpflichtung dieser kommerziellen Anbieter darin besteht, Gewinne für ihre Aktionäre zu erwirtschaften. Sie verfügen nicht über das nötige Fachwissen im Gesundheitsbereich, und ihr Beitrag sollte keinen Einfluss auf gesundheitspolitische Entscheidungen haben, beispielsweise darauf, welche Informationen der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden sollten.«Dr. Peter Rice, Eurocare
Kommerzielle Anbieter von Alkohol verfügen nicht über das nötige Fachwissen im Gesundheitsbereich.«Dr. Peter Rice, Eurocare
Die Zivilgesellschaft fordert nun die Mitglieder des Europäischen Parlaments und die EU-Institutionen auf, dafür zu sorgen, dass die Politikgestaltung im Bereich der öffentlichen Gesundheit weiterhin auf unabhängigen wissenschaftlichen Erkenntnissen und dem öffentlichen Interesse basiert. Dazu gehören strenge Schutzmaßnahmen gegen Interessenkonflikte sowie Transparenz in Bezug auf Lobbyarbeit und die Zusammenarbeit mit wirtschaftlichen Akteuren. Prof. Frank Murray, Vorsitzender der European Health Alliance on Alcohol, einem Zusammenschluss von 31 führenden paneuropäischen medizinischen Fachgesellschaften und Gesundheitsorganisationen, sagte:
Der hohe Alkoholkonsum in Europa hat zu einer Notlage im Bereich der öffentlichen Gesundheit geführt. Der durchschnittliche Mann in der EU, der Alkohol konsumiert, trinkt 31 Standardgetränke pro Woche – eine wahrlich erschreckende Menge. Die daraus resultierenden gesundheitlichen Schäden sowie weitere negative Folgen wie die Auswirkungen auf die Sozialfürsorge und die Kriminalität beziehungsweise die Justiz verursachen eine enorme persönliche und gesellschaftliche Belastung sowie untragbare finanzielle Kosten für den Einzelnen und die Gesellschaft. Die Alkoholindustrie hat viel zu lange leichten Zugang zu Politiker*innen und Entscheidungsträger*innen gehabt.«
Prof. Frank Murray, European Health Alliance on Alcohol
Wir müssen dies dringend ändern und die Alkoholindustrie und ihre Akteur*innen vollständig aus der Gesundheitspolitik heraushalten.«
Prof. Frank Murray, European Health Alliance on Alcohol
Keine Menge Alkohol ist gut für das Herz, sagt die World Heart Federation

In einem neuen Positionspapier stellt der Weltherzverband (WHF) die weit verbreitete Vorstellung in Frage, dass mäßiger Alkoholkonsum das Risiko von Herzerkrankungen verringern kann, und fordert dringende und entschlossene Maßnahmen, um den beispiellosen Anstieg alkoholbedingter Todesfälle und Behinderungen weltweit zu bekämpfen.
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Kardiolog*innen warnen vor Alkoholkonsum im Interesse einer besseren Herzgesundheit

Kardiolog*innen warnen davor, dass bereits geringe Mengen Alkohol pro Tag den Blutdruck erhöhen und das Risiko für Vorhofflimmern steigern. Moderne genetische Studien zeigen, dass frühere Behauptungen über einen »herzgesunden« Alkoholkonsum falsch waren, da die positiven Effekte tatsächlich auf andere Verhaltensweisen zurückzuführen waren.
Angesichts der Erkenntnisse, dass Alkohol keinerlei Schutz für das Herz-Kreislauf-System bietet und den Herzmuskel sogar aktiv schädigt, empfehlen Expert*innen zunehmend eine alkoholfreie Lebensweise statt einer bloßen Einschränkung des Alkoholkonsums, insbesondere für Patient*innen mit Herzerkrankungen oder kardiovaskulären Risikofaktoren.
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Quelle: European Heart Network (EHN)
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