Immer mehr Menschen konsumieren aus den verschiedensten Gründen Suchtmittel, die neben den gesundheitsschädigenden Wirkungen das Risiko der Abhängigkeit in sich bergen.

Das am weitesten verbreitete Suchtmittel ist in Deutschland der Alkohol. Sein Konsum wird gesellschaftlich anerkannt, alkoholische Getränke sind deshalb heute überall und jederzeit verfügbar. Das Ausmaß der mit dem Alkoholverbrauch verbundenen Probleme wird dagegen weit unterschätzt: bei 9,3 Mio. Menschen in der Altersgruppe von 18 bis 69 Jahren besteht ein riskanter Alkoholkonsum. 4,1 Mio. Menschen der gleichen Altersgruppe sind vom Alkohol abhängig oder zeigen ein missbräuchliches Trinkverhalten mit bereits eingetretenen Folgeerkrankungen. Bei 1,7 Mio. Menschen muss von einem Alkoholsyndrom mit massiven gesundheitlichen und sozialen Folgen gesprochen werden.

Der Verbrauch an alkoholischen Getränken ist zwar seit einigen Jahren leicht rückläufig, aber insgesamt seit 30 Jahren bereits auf einem zu hohen Niveau. Die durch diesen hohen Alkoholkonsum verursachten sozialen, medizinischen und wirtschaftlichen Folgekosten betragen nach Schätzungen von Experten 15 bis 20 Milliarden EURO jährlich – das persönliche Leid der Betroffenen, das ihrer Partner wie ihrer Kinder ist hingegen in jedem einzelnen Fall unmessbar.

Um diese alkoholbedingten schädlichen Folgen für den einzelnen wie für die Gesellschaft einzudämmen, fordern die Guttempler in Deutschland:

  1. Umsetzung der Beschlüsse der Weltgesundheitsorganisation WHO in Europa
  2. Einheitliche Gesetzgebung für alle Suchtmittel
  3. Politische Maßnahmen zur Reduzierung des Alkoholverbrauchs
  4. Werbeverbot für Alkohol
  5. Punkt-Nüchternheit
  6. Null Promille im Straßenverkehr
  7. Umfassende und ständige Aufklärung über Wirkungen und Gefahren des Alkohols
  8. Kontinuierliche Forschung zur Ermittlung der alkoholbedingten Folgekosten

Wirksamkeit von alkoholpolitischen Maßnahmen und Interventionen

Die Wirksamkeit (Effectiveness) alkoholpolitischer Maßnahmen und Interventionen setzt sich aus den Faktoren Einfluss auf das Konsumverhalten sowie der Kosten der Implementierung und der regelhaften Durchführung zusammen. Eine sehr hohe Wirksamkeit haben Maßnahmen, die einen hohen Einfluss bei geringen Kosten haben.

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen hat in der folgenden Tabelle eine Reihe von Interventionsmöglichkeiten zusammengestellt, dabei bedeutet +++ höchste Wirksamkeit, --- niedrigste Wirksamkeit und ? Wirkung unbekannt.

Regulierung der Verfügbarkeit von Alkohol
Mindestalter für den Erwerb von Alkohol
Regierungsmonopol für den Einzelhandelsverkauf
Beschränkung der Verkaufszeiten
Wirksamkeit
+++
+++
++
Steuern und Preisgestaltung
Alkoholsteuern
Wirksamkeit
+++
Veränderung der Trinkumgebung
Kein Ausschank an betrunkene Gäste
Freiwillige Verhaltenskodexe
Stärkere Regulierung von Schanklizenzen und rechtlichen Auflagen
Promotion von alkoholfreien Aktivitäten und Events
Wirksamkeit
++
---
++
---
Bildung und Aufklärung
Aufklärungsunterricht in Schulen
Öffentliche Aufklärungskampagnen
Warnhinweise
Wirksamkeit
---
---
---
Regulierung der Alkoholwerbung
Werbeverbote
Kontrolle von Werbeinhalten
Wirksamkeit
+
?
Maßnahmen gegen Alkohol am Steuer
Zufallsatemtests
Niedrige gesetzliche Promillegrenze
Niedrigere Promillegrenzen für junge Fahranfänger
Führerscheinentzug für Alkoholsünder
»Wer-fährt«-Programme
Wirksamkeit
+++
+++
+++
++
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Behandlung und Frühintervention
Kurzinterventionen bei Menschen mit risikoreichem Alkoholkonsum
Entgiftung und Entwöhnung
Selbsthilfe
Pflichtkurse für wiederholte Alkoholsünder im Straßenverkehr
Wirksamkeit
++
+
+
+
Alkoholpolitik