Alkoholpolitik - Kinder und Jugendliche

Verkehrssicherheit

Alkohol am Steuer ist nach wie vor eine Hauptursache für Verkehrsunfälle. Zwar sind Alkoholunfälle, d. h. Unfälle, bei denen mindestens ein Beteiligter unter Alkoholeinfluss steht, in den letzten 30 Jahren fast kontinuierlich gesunken, jedoch kamen auch im Jahr 2005 603 Menschen in Deutschland durch Unfälle ums Leben, bei denen Alkohol im Spiel war. Trotz des Rückgangs sterben in Deutschland immer noch ca. 11 % derjenigen, die einem Verkehrsunfall zum Opfer fallen, an den Folgen eines Alkoholunfalls – das ist fast jeder neunte Unfalltote. Die Todesfälle bei Alkoholunfällen betreffen zu einem großen Teil Menschen, die selbst keinen Alkohol getrunken haben.

Alkoholkonsum wirkt sich negativ auf die Fahrtüchtigkeit aus. Die körperlichen und psychischen Reaktionen auf Alkohol sind bei jedem Menschen graduell unterschiedlich. Sie hängen ab von der Höhe der Alkoholkonzentration im Blut, der Zeitspanne, innerhalb derer Alkohol getrunken wurde, dem Körpergewicht, der Magenfüllung sowie der körperlichen Konstitution und Verfassung. Die Gefahrenschwelle beginnt bereits bei 0,2 bis 0,3 Promille. Der Gesetzgeber hat den Gefahrengrenzwert für relative Fahruntüchtigkeit auf 0,5 Promille festgelegt. Bei 1,1 Promille liegt der Grenzwert für die absolute Fahrunsicherheit.

Null Promille

In einer Umfrage im Auftrag der Versicherung DA Direkt sprachen sich im März 2011 zwei Drittel der Befragten für ein absolutes Alkoholverbot im Straßenverkehr aus. Rund jeder Vierte schränkte jedoch ein, dass es eine Toleranzgrenze beim Genuss alkoholhaltiger Lebensmittel oder der Einnahme von Medikamenten geben sollte.

Die Idee des generellen Alkoholverbots für Autofahrer fand in allen Altersgruppen mehrheitlich Zustimmung. Während unter den 18- bis 29-Jährigen rund 62 Prozent für eine Null-Promille-Grenze stimmten, waren es in der Gruppe der über 60-Jährigen bereits 70 Prozent.

Schwangerschaft

Schätzungen gehen allein für Deutschland pro Jahr von bis zu 2.200 Neugeborenen aus, die stark durch Alkohol geschädigt sind. Mittlerweile gilt als erwiesen, dass nicht nur intensiver Alkoholkonsum zu Schäden führt, sondern dass auch ein geringer Alkoholkonsum oder vereinzelte Trinkexzesse zu einem ganzen Spektrum von gesundheitlichen Beeinträchtigungen beim Ungeborenen führen können. Die am stärksten ausgeprägten klinischen Symptome werden als »Alkoholembryopathie« oder als »fetales Alkoholsyndrom« (FAS) bezeichnet.

Es bleibt daher eine dringende Aufgabe, schwangere Frauen und diejenigen, die eine Schwangerschaft planen, sowie ihre Partner so zu informieren, dass die Botschaft »kein Alkohol während der Schwangerschaft« auch ankommt. Das heißt, das Thema darf nicht unter den Teppich gekehrt werden, die Botschaft muss deutlich sein und sie muss aktiv vermittelt werden.

Kinder und Jugendliche

Erst mit dem 20. Lebensjahr hat der Körper die Fähigkeit Alkohol abzubauen, voll entwickelt. Deshalb sind Kinder und Jugendliche sehr viel mehr als Erwachsene gefährdet, sich mit Alkohol zu schädigen oder sogar in eine Abhängigkeit zu geraten.

Die von Experten vorgeschlagenen Grenzwerte für den täglichen Alkoholkonsum richten sich an gesunde Erwachsene. Auf Kinder und Jugendliche lassen sich diese Grenzwerte nicht anwenden. Kinder sollten gar keinen Alkohol trinken und Jugendliche sollten Alkohol weitgehend meiden, um negative Auswirkungen auf ihre Entwicklung zu verhindern.

Dennoch weisen 6,2 % der 12- bis 17- Jährigen tägliche Konsummengen auf, die auch für gesunde Erwachsene riskant sind. Weitere 2,0 % trinken täglich Mengen, die auch für Erwachsene als gefährlich gelten.  Bei Jugendlichen beeinträchtigt der Konsum die körperliche und geistige Entwicklung in der Pubertät. Darüber hinaus kann sich Alkoholkonsum während der Jugendphase negativ auf den Sozialisationsprozess auswirken und zu andauernden Problemen im späteren Leben führen.

In der Jugendphase finden wichtige Entwicklungsprozesse im Gehirn statt, die durch Alkoholkonsum beeinträchtigt werden. Insbesondere Hirnregionen die an Lernprozessen beteiligt sind, werden durch Alkoholkonsum geschädigt. Jugendliche sind für Langzeitschädigungen des Gehirns anfälliger als Erwachsene. Dazu zählen z. B. Schädigungen kognitiver Fähigkeiten und des Erinnerungsvermögens.

Da Jugendliche aufgrund ihrer altersbedingten körperlichen Entwicklung meist noch ein geringeres Körpergewicht als Erwachsene haben, sind für Jugendliche schon geringere Mengen Alkohols gefährlich. Die gleiche Menge aufgenommenen Alkohols verteilt sich auf geringere Körpermasse und führt somit zu einer höheren Blutalkoholkonzentration.

Alkoholabhängige

Die gesundheitlichen und psychosozialen Nachteile des Alkohols machen es manchmal erforderlich, darauf völlig zu verzichten. In der Behandlung der Alkoholabhängigkeit muss nach herrschender Meinung unbedingte Abstinenz angestrebt werden, weil eine einmal süchtige Person Zeit ihres Lebens nicht mehr dazu im Stande ist, das Suchtmittel gemäßigt zu konsumieren; Sucht ist eine Krankheit, die zwar zum Stillstand gebracht, aber niemals völlig geheilt werden kann. Abstinent lebende Alkoholiker bezeichnet man umgangssprachlich als »trocken«.

Medikamenteneinnahme

Don't drink when taking medicineAlkohol kann die Wirkungsweise vieler Medikamente beeinflussen. So verstärkt oder verringert der Alkohol die Wirkung oder es treten gefährliche Wechsel- oder Nebenwirkungen auf.

Die Folgen einer Kombination von Alkohol und Medikamenten können von der Leberschädigung bis hin zum Kollaps führen. Auch bei der Einnahme vieler frei verkäuflicher Medikamente wie Schmerz- und Schlafmittel oder Antiallergika kann Alkohol unkontrollierbare und gefährliche Wirkungen hervorrufen.

Darum: Wer Medikamente nimmt, sollte auf den Genuss von Alkohol verzichten.

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