Die Jahrestagung von IOGT Schweiz in Mariastein verabschiedete am 9. Juni 2012 folgende Resolution der Friedens- und Suchtpräventionsverbände IOGT, Juvente und KiM – Kinder im Mittelpunkt.

Wir unterstützen die Regierung, das Parlament und die Staatspräsidentin Brasiliens in ihren Bemühungen, ihre eigenen Versprechen zu halten, dass sie sich dem Kindesschutz verpflichten und in ihrer Politik die Interessen von Kindern prioritär berücksichtigen. Daher unterstützen wir Brasiliens Regierung und Parlament insbesondere auch dabei, den Weltfußballverband FIFA auf den richtigen Weg zu bringen, d. h. seine schönen Worte, Slogans, Videos und Homepages mit Leben und Bedeutung zu füllen.

In den letzten Monaten ist ein erbitterter Streit zwischen der FIFA und dem brasilianischen Gesetzgeber ausgebrochen über das so genannte »WM-Gesetz« und die Frage, ob Alkohol in den Fußballstadien anlässlich der Weltmeisterschaft 2014 wieder zugelassen werden solle. Seit 2003 sind Fußballstadien in Brasilien alkoholfreie Zonen, um Gewalttaten in den und um die Stadien zu minimieren. Diese Maßnahme stützt sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse unter anderem von der Weltgesundheitsorganisation WHO, wonach 46 % aller Unfallopfer in den Spitälern auf Alkohol zurückzuführen sind.

FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke aber erklärt: »Alkoholische Getränke sind Teil der Weltmeisterschaft, also werden sie auch ausgeschenkt. Es tut mir leid, falls ich ein bisschen arrogant wirken sollte, aber dies ist ein Thema, über das wir nicht verhandeln.«

Erst neulich hat nun das brasilianische Parlament dem WM-Gesetz zugestimmt und so den Weg für den Alkohol zurück in die Fußballstadien frei gemacht. »Das zeigt, dass die brasilianischen Politiker zur Zeit den Wünschen der FIFA höhere Priorität einräumen«, kritisiert Sven-Olov Carlsson, Präsident von IOGT International. »Und klar ist, dass die FIFA auf dem Alkoholausschank besteht, weil die Alkoholindustrie ein wichtiger Sponsor des Turniers und auf großen Profit aus ist.«

Staatspräsidentin Dilma Rousseff muss nun entscheiden, ob sie das Gesetz in Kraft setzt oder nicht. Sie muss dabei berücksichtigen, dass ihr Land 1990 die Kinderrechtskonvention unterschrieben hat. Artikel 3.1 dieser Konvention besagt: »Bei allen Maßnahmen, die Kinder betreffen, sei es von seiten öffentlicher oder privater Wohlfahrtsinstitutionen, Gerichten, Behörden oder gesetzgeberischer Körperschaften, muss die Berücksichtigung der Interessen des Kindes hohe Priorität geniessen.«

»Sogar die FIFA selbst hat eigentlich erkannt, dass Alkohol nicht wirklich im Interesse der Kinder ist«, bemerkt dazu Priska Hauser-Scherer, Präsidentin von IOGT Schweiz. In Video-Botschaften hat FIFA-Präsident Joseph Blatter gesagt, alles drehe sich um die Kinder: »Sie sind die Zukunft des Fußballs, sie sind die Zukunft unserer Welt. Wir wollen, dass die Kinder Fußball spielen, dabei Spaß haben und gesund und aktiv sind.« Und um diese Botschaft zu unterstreichen, hat Cristiano Ronaldo, der Weltfußballer des Jahres 2008, in einer Video-Botschaft für die FIFA-Kampagne »11 for Health« gesagt: »Stürmer machen auf dem Feld die richtigen Bewegungen, um den Verteidigern auszuweichen. Macht auch außerhalb des Feldes die richtigen Bewegungen, um Drogen und Alkohol auszuweichen!«

»Alle wissen, dass es wichtigere Dinge gibt als Geld und Profit«, meint Flo Klee, Sekretär und Jugendarbeiter von KiM – Kinder im Mittelpunkt: »Diese Wahrheit erkennt am einfachsten, wer Kindern in die Augen sieht, wer auf ihr Lachen achtet, voll von Hoffnung und Träumen.«

Samson Rentsch, Präsident der Jugendorganisation Juvente, kommentiert: »Den Alkohol in die Stadien zurückzubringen, läuft den Bemühungen von Vorbildern wie Cristiano Ronaldo zuwider!«

Mit gutem Vorbild voran geht der europäische Fußball-Verband UEFA, der das Alkoholverbot in den Stadien an der soeben gestarteten Europameisterschaft in Polen und der Ukraine akzeptiert hat. Bemerkenswert ist die Haltung der römisch-katholischen Kirche Polens: »Lasst uns Polen und alle anderen Teams unterstützen, indem wir nüchtern bleiben. Zeigen wir unseren Gästen, dass wir ein freies Volk sind, das weiß, wie man ohne Alkohol feiert, Spaß hat und das Turnier genießt,« so ein Aufruf mehrerer polnischer Bischöfe.

Aus diesen Gründen unterstützt eine ganze Reihe internationaler Nichtregierungsorganisationen den Aufruf an die brasilianischen Entscheidungsträger, sich für Menschenrechte und die Interessen der Kinder zu engagieren.

Obiger Aufruf wurde am 1. Juni 2012, dem Internationalen Tag des Kindes, lanciert von einer breiten Allianz internationaler Nichtregierungsorganisationen:

  • ACTIVE – Sobriety, Friendship and Peace (Europa)
  • Alcohol Justice (USA)
  • BRAHA (Brasilien)
  • CRISA (Nigeria)
  • Drug Free Australia (Australien)
  • IOGT International (weltweit)
  • Solidar (weltweit)
  • StopDrink Network (Thailand)

IOGT Schweiz ist eine der ältesten und erfahrensten Organisationen im Bereich der Suchtprävention und –nachsorge in der Schweiz.
KiM – Kinder im Mittelpunkt hat zum Zweck, Kinder und Jugendliche in ihrer freien Entfaltung zu fördern und sie bei der Entwicklung zu einer sozialen Persönlichkeit zu unterstützen.
Juvente setzt sich für ein drogenfreies, also auch alkohol- und nikotinfreies, unabhängiges Leben ein. Die Mitglieder wollen diesen positiven Lebensstil allen Jugendlichen zeigen und zugänglich machen.

Alkoholpolitik