Brüssel, 27. September 2016. Heute haben fast 40 Organisationen aus den Bereichen Kinderrechte, Familien, Verbraucher, öffentliche Gesundheit, Alkoholkontrolle und Medizin eine gemeinsame Aufforderung an die Mitglieder des Europäischen Parlaments gerichtet um wirksame Maßnahmen zum Schutz von Europas Kindern, Jugendlichen und Eltern vor aggressivem Marketing gesundheitsschädlicher Produkte einzufordern.

Europa steht vor einer Epidemie korpulenter Kinder und der Alkoholkonsum Jugendlicher verursacht großen Schaden. Gesundheitliche Probleme in der Kindheit dauern oft ein Leben lang an. Die Verbindung zwischen Werbung und erhöhtem Verbrauch ist gut nachgewiesen, doch die europäischen Kinder und Jugendlichen werden immer noch ständig von manipulativem Marketing in allen Medien bombardiert.

Jana Hainsworth, Generalsekretärin von Eurochild: »Kinder können weniger zwischen Programm und Werbung unterscheiden. Darum sind Selbstregulierung oder Verschlüsselung nicht genug, um das Recht der Kinder auf Gesundheit und alle anderen Rechte, die in der UN-Konvention über die Rechte der Kinder verankert sind, zu schützen. Die Neuregelung der EU-Richtlinie zu audiovisuellen Mediendiensten muss das beste Interesse für die Kinder und deren eigene Erfahrungen berücksichtigen, damit sie sicher auf Informationen zugreifen, die digitale Technologie nutzen und aktive Bürger sein können.«

Die Erklärung verlangt, dass starke, wirksame Maßnahmen ergriffen werden, um den Kontakt junger Menschen mit gesundheitsschädlichem Marketing zu minimieren, Produktplatzierung und Sponsoring von Alkohol und Lebensmitteln mit hohem Fett-, Zucker- und Salzgehalt zu verbieten und dafür zu sorgen, dass die Mitgliedstaaten Sendungen aus anderen Ländern aus Gründen der öffentlichen Gesundheit effektiv beschränken können.

Mariann Skar, Generalsekretärin der Europäischen Alkoholpolitik-Allianz: »Der Kontakt mit Alkoholwerbung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass junge Menschen in einem früheren Alter anfangen zu trinken, und mehr zu trinken, wenn sie bereits Alkohol konsumieren. Wir schlagen kein Verbot vor, sondern moderate Veränderungen, die Kindern erlauben würden, frei von Alkohol-Marketing aufzuwachsen.«

Die Erklärung folgt der Anhörung im Europäischen Parlament über die Neuregelung der Richtlinie über audiovisuelle Medien (AVMD-Richtlinie), die die Gelegenheit bietet, die Vermarktung ungesunder Nahrungsmittel und alkoholischer Getränke auf europäischer Ebene zu verhandeln.

Nina Renshaw, Generalsekretärin der Europäischen Gesundheitsallianz: »Es geht nicht darum den Menschen zu sagen, was sie essen sollen, noch den Eltern, wie sie ihre Kinder zu ernähren haben, sondern darum unsere Kinder von dem Druck des Marketing und der Werbung zu befreien. Heute werden die ungesundesten Optionen den Kindern ständig direkt über solchen Programmen vorgesetzt, die sie am liebsten sehen – nicht nur Zeichentrickfilme, sondern Fußballspiele, Sing-Wettbewerbe und Reality-Shows. Alle Eltern kennen die Überzeugungskraft von Kindern nur zu gut, die diesen Anzeigen ausgesetzt sind, und wie sie es erschweren gesündere Entscheidungen zu treffen.«

Susanne Løgstrup, Direktorin des Europäischen Herz-Netzwerks: »Seit Anfang dieses Jahrtausends ist bekannt, dass an Kinder gerichtete Werbung deren Essverhalten bestimmt. Wenn auch die Vermarktung von Lebensmitteln mit hohem Gehalt an Salz, Fett und Zucker nicht der einzige Beeinflusser ist, ist sie doch ein wichtiger, und deshalb fordert die Weltgesundheitsorganisation von den Regierungen verstärkte Anstrengungen, um die Auswirkungen aller Formen von Werbung auf Kinder und Erwachsene zu reduzieren. Wir glauben, dass sich dem Europäischen Parlament jetzt die perfekte Gelegenheit bietet auf diese Forderung zu reagieren.«

Statement der Europäischen Akademie für Pädiatrie: »Gesundheitsförderung sollte sich nicht nur auf Drogenmissbrauch und ungesunde Ernährung konzentrieren, sondern auch auf problematische Handy-Nutzung, die in engem Zusammenhang mit diesen riskanten Verhaltensweisen steht. Interventionsstrategien in der frühen Jugend sollten auch die Schulen erfassen, um Familien bei der Verringerung oder Eliminierung gefährlicher Verhaltensweisen zu unterstützen.«

Alkoholpolitik