Alkohol in der Schwangerschaft kann beim ungeborenen Kind lebenslange Behinderungen verursachen (Fetale Alkohol-Spektrum-Störung, FASD) und ist eine massive Bedrohung öffentlicher Gesundheit auf der ganzen Welt. Da etwa die Hälfte aller Schwangerschaften ungeplant ist, sorgt der Kontakt von Föten mit Alkohol für eine Epidemie von Alkoholschäden bei andereren als den Konsumenten selbst.

Heute ist der 9. September und Internationaler Tag des alkoholgeschädigten Kindes. Er bietet eine weitere Möglichkeit, das Bewusstsein für die Gefahren und Risiken des Alkoholkonsums während der Schwangerschaft zu schärfen und für dringende Maßnahmen zu sorgen. Dieser Tag bietet sich an alkoholfrei gelebt zu werden – um FASD zu verhüten.

Einige Fakten zu FASD

  • Internationale Forschungen zeigen, dass zwischen 6% (Schweden) und 82% (Irland) schwangerer Frauen weiterhin Alkohol trinken, trotz der Tatsache, dass kein sicherer Grenzwert für den Alkoholkonsum während der Schwangerschaft bekannt ist.
  • In Australien ist FASD die führende vermeidbare Ursache für nicht-genetische Entwicklungsstörungen.
  • In Südafrika – das Land mit der höchsten Rate von FASD weltweit – weisen Untersuchungen der Stiftung für Alkoholfoschung FARR eine FASD-Prävalenzrate von 6,42% (64 pro 1.000) bei Erstklässlern nach.
  • Sehr konservative und grobe Schätzungen zeigen, dass circa 1% der Kanadier – oder etwa 355.000 Menschen – unter FASD leiden können.
  • Alkoholkonsum während der Schwangerschaft erhöht das Risiko für Fehlgeburten und niedriges Geburtsgewicht und kann die Entwicklungsprozesse des Fötus so stören, dass sie zu Hirnschäden und körperlichen Anomalien führen.

Seit mehr als 40 Jahren sind die Ursachen und Folgen von FASD bekannt. Dennoch schädigt FASD weiterhin Millionen von Menschen auf der ganzen Welt, mit einer Rate von etwa einer von 100 Lebendgeburten. In Ländern, in denen bei Frauen im gebärfähigen Alter Alkoholkonsum üblich ist, kann die Prävalenz der Fetalen Alkohol-Spektrum-Störung wesentlich höher sein.

Dringender Handlungsbedarf

Alkohol ist krebserregend, giftig, fruchtschädigend und süchtigmachend. Er ist körperfremd und es gibt keine »sichere« Menge Alkohol. Alkohol reduziert die Fruchtbarkeit, erhöht das Risiko einer Fehlgeburt und verursacht Hirnschäden und Geburtsfehler.

Drei Hauptarten von Verhaltensstörungen wurden bei Kindern mit FASD festgestellt:

  1. Internalisierende Verhaltensweisen wie Angst, Rückzug oder Depression
  2. Externalisierende Verhaltensweisen wie Aggression, Kriminalität
  3. Andere Probleme, wie Schwierigkeiten mit sozialen Fähigkeiten, Denkprozessen und Aufmerksamkeit

Die pränatale Exposition gegenüber Alkohol kann kognitive Schäden verursachen, Lernstörungen, geistige Retardierung, sowie Verhaltensstörungen wie ADHS und Autismus. Schlechte motorische Koordination ist weit verbreitet. Schwierigkeiten mit der Beurteilung und dem Verständnis sozialer Situationen führen zu langfristigen Folgen wie Arbeitslosigkeit, psychischen Krankheiten und Kriminalität.

Selbst geringe Mengen an Alkohol oder ein einzelner Rausch können zu dauerhaften Schäden führen.

Ein massives Problem, das verhindert werden kann

Wie viele der durch Alkohol verursachten Schäden kann auch FASD weitgehend verhindert werden. Die Notwendigkeit für Präventionsmaßnahmen ist von größter Bedeutung, weil es für FASD keine Heilung gibt.

Der volle Umfang der FASD-Prävalenz ist schwer zu erkennen, da viele Fälle häufig als Lernstörungen, ADHS oder andere Störungen diagnostiziert werden, während die zugrunde liegende Rolle der pränatalen Alkohol-Exposition unerkannt bleibt.

FASD-Prävalenzraten wurden in einer Vielzahl von Umgebungen, einschließlich Gemeinden, Schulen, Pflege(eltern)systemen, Gefängnissen und Strafvollzugssystemen ausgewertet. Die Höhe der FASD-Prävalenz variiert je nach dem Setting, in dem sie untersucht wurde, mit einem höheren Vorkommen in Pflege- und Justizsystemen, verglichen mit denen aus Gemeinden und Schulen. Alle verdienen jedoch Aufmerksamkeit für die Planung und Organisation von Präventionsstrategien. Die Epidemiologie von FASD scheint sich nicht auf eine bestimmte Region zu beschränken und betrifft viele Gemeinden auf der ganzen Welt.

Die üblichen Schätzungen der Prävalenz in der westlichen Welt bewegen sich zwischen 1 und 3 Promille für das vollständige Fetale Alkoholsyndrom (FAS) und liegen bei 9,1 Promille für alle FASD-Störungen. Eine aktuelle und alarmierende Studie in der Region Latium in Italien zeigte, dass 20 bis 40 Kinder pro Tausend an FASD leiden.

Die Prävalenzschätzungen von FASD bei Kindern im Pflegebereich variieren von 30,5% bis 52%, was sich in FASD-Raten von 305 bis 520 pro 1000 Einwohner in Pflegeeinrichtungen ausdrücken lässt.

»Wenn mehr als eine Million Babys jedes Jahr mit dauerhaften Hirnverletzungen durch eine bekannte und vermeidbare Ursache geboren werden, sollte die Reaktion darauf unmittelbar sein, bestimmt, nachhaltig und effektiv«, schreiben Jonsson et al. in The Lancet.

»Breit gestützte politische Initiativen und Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen jeder Gesellschaft sind dringend zu fördern. Abstinenz von Alkohol ist während der Schwangerschaft notwendig um Fetale Alkohol-Spektrum-Störungen zu verhindern.«

Was wirkt zur FASD-Prävention

In dem Bericht »Belastung und wirtschaftliche Auswirkungen der Fetalen Alkohol-Spektrum-Störung in Kanada« belaufen sich die mit FASD verbundenen Kosten in Kanada für das Jahr 2013 auf insgesamt circa 1,8 Milliarden Dollar.

Folgende Kostentreiber wurden in die Studie einbezogen:

  • Unmittelbare Kosten der Gesundheitsversorgung (logopädische Interventionen, Medikamenten-Verschreibung, akutstationäre Versorgung, psychiatrische Versorgung, Notaufnahme und Tageschirurgie-Aufenthalte, Screening und Diagnose sowie spezialisierte Suchtbehandlung)
  • Direkte Kosten der Strafverfolgung (Vollzug)
  • Sonstige direkte Kosten (Kinder und Jugendliche in der Pflege, betreutes Wohnen, Langzeitpflege, Heilpädagogik sowie Prävention und Forschung)
  • Indirekte Kosten (Produktivitätsverluste aufgrund von Behinderung und vorzeitiger Sterblichkeit von Menschen mit FASD)

Der Verlust der Produktivität von Menschen mit FASD aufgrund einer Behinderung und vorzeitiger Sterblichkeit leistete mit 42% den größten Beitrag zu den Gesamtkosten. Ein weiterer Kostenfaktor war der Strafvollzug mit 30%. Kosten des Gesundheitswesens machten 10% aus, während sich der Rest unter anderen direkten Kosten aufteilte, wie Pflegekinder, betreutes Wohnen und spezielle Ausbildung.

Alkoholpolitische Maßnahmen zur Prävention von FASD

Evidenzbasierte, kostengünstige, schlagkräftige politische Maßnahmen stehen zur Verfügung um FASD zu verhindern. Drei bewährte Methoden helfen den Gesamtalkoholkonsum in einer Gesellschaft zu senken und die körperliche, soziale, finanzielle und psychologische Verfügbarkeit von Alkohol in Gemeinwesen zu reduzieren:

  • Erhöhung der Alkoholsteuern
  • Verbot der Werbung für Alkohol und Regulierung seiner Vermarktung
  • Einschänkung der Verfügbarkeit

Diese Alkoholkontrollmaßnahmen sind nachweislich kosteneffizient. Weitere Maßnahmen sind:

  • Die Bereitstellung qualitativer Informationen und Dienstleistungen, einschließlich Informationen über die Auswirkungen von Alkohol auf die gesundheitlichen Folgen für schwangere Frauen und Kleinkinder
  • Verbesserter Zugang zu besseren Diagnosesystemen und Interventionen um Menschen mit FASD und ihren Familien zu einer besseren Lebensqualität zu verhelfen
  • Bessere Früherkennung und geeignete Interventionen können helfen, sekundäre Behinderungen zu verringern oder sogar zu vermeiden und Menschen mit FASD ermöglichen zu arbeiten und ein Familienleben zu führen

In vielen Ländern müssen Alkoholnormen geändert und Mythen über Alkohol entlarvt werden. Die Alkoholindustrie drängt aggressiv Alkohol in alle Aspekte des Lebens, so dass die Entscheidung alkoholfrei zu leben für Menschen immer schwieriger wird.

Wie einige der Fakten in diesem Blog zeigen, ist Schwangerschaft wirklich eine der Phasen im Leben, die alkoholfrei sein sollte. Und darum sind Aktivitäten zur Herausforderung und Änderung der Alkoholnormen ein entscheidender Beitrag zu den Bemühungen FASD zu verhindern. Deshalb lasst uns den 9. September alkoholfrei verbringen.

 

Alkoholpolitik