Die heutigen Einschränkungen des Alkoholmarketings schützen Jugendliche nicht

Collage AlkoholwerbungFührende Gesundheitsexperten warnen, dass Jugendliche in allen Ländern der Welt den umfangreichen Alkohol-Werbemaßnahmen gegenüber ungeschützt ausgesetzt sind. Die heutigen Werbe-Einschränkungen erweisen sich als wirkungslos um das Trinkverhalten zu beeinflussen.

Alkohol ist Ursache Nummer 1 für Todesfälle und Behinderungen bei jungen Männern zwischen 15 und 24 Jahren in nahezu allen Regionen der Welt. In den wohlhabenden Ländern gilt dies auch für junge Frauen.

Die Experten fordern die Regierungen in der ganzen Welt auf, ihre Anstrengungen zur Bewältigung des Problems mit wirksameren unabhängigen gesetzlichen Regelungen für das Marketing von Alkohol zu erneuern.
Ihr Aufruf kommt zusammen mit der Veröffentlichung einer Reihe von Berichten in einer Sonderausgabe der wissenschaftlichen Zeitschrift »Addiction«. Hier werden die neuesten Erkenntnisse zu Alkohol-Marketing und ihren Auswirkungen auf Kinder dargelegt. Die wichtigsten Forschungsergebnisse beinhalten:

  • Der Kontakt mit Alkohol-Werbemaßnahmen steht in direkter Verbindung zum Alkoholkonsum von Jugendlichen.
  • Die Analyse der Alkoholwerbung während des FIFA-Weltcups 2014 zeigt auf, dass die Alkoholindustrie ihre freiwillige Selbstbeschränkung häufig verletzt und durchbrochen hat.
  • Die Selbstbeschränkungsregeln der Alkoholindustrie schützen Kinder und Jugendliche unzureichend gegenüber Alkoholwerbung insbesondere in den Sozialen Medien.

Die Sonderausgabe von »Addiction« enthält 14 Forschungsberichte aus aller Welt. Der führende Herausgeber, Professor Thomas Babor, Universität Connecticut USA, sagt:

»Regierungen sind für die Gesundheit ihrer Bürger verantwortlich. Kein anderes legales Produkt mit einem solchen Schadenspotenzial wird weltweit dermaßen umfangreich beworben wie Alkohol. Diese Berichte bieten eine Fülle von Informationen an, um Regierungen in ihren Bemühungen zu unterstützen, Kinder und andere Menschen, die diesen Schutz benötigen, vor der Beeinflussung durch Alkoholwerbung abzuschirmen.«

Chris Brookes vom britischen Gesundheitsforum hält fest:

»Regierungen haben bisher den Selbstbeschränkungen der Industrie bei Alkoholwerbung zugestimmt. Allerdings können wir nicht mehr länger sagen, dass diese nützen könnten, um unsere jungen Leute zu beschützen. Nein, das tun sie nicht. In einer Literaturauswertung zu mehr als 100 Forschungsberichten fand sich keine einzige Studie, die die Wirkung von Selbstbeschränkungsregeln durch die Industrie bestätigte.«

Die Berichte in »Addiction« bieten Richtlinien für wirksamere Vorschriften zu Alkoholwerbemaßnahmen:

  • Die klar wirksamste Maßnahme ist ein umfassendes Verbot von Alkoholwerbung, sämtlichen Werbemaßnahmen wie auch Verkaufsförderung und Sponsoring gemäß den Gesetzgebungen der jeweiligen Länder.
  • Vorschriften sollten durch Gesundheitsinstitutionen oder durch Behörden und Parlamente formuliert werden und nicht durch die Alkoholindustrie.
  • Vorschriften und Gesetze sollen unabhängig von der Alkoholindustrie erarbeitet werden. Das vorrangige Interesse der Industrie sind das Wachstum des Marktes und die Erhöhung des Gewinns.
  • Ein globales Abkommen über die Vermarkung von alkoholischen Getränken würde die Bemühungen der Länder für ein umfassendes Verbot von Alkoholwerbung, Verkaufsförderung, Sponsoring und weiteren Werbemaßnahmen unterstützen.
  • Die Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsbestrebungen, die schädliche Produkte einschränken wollen, wie Süßgetränke, Tabak, hoch verarbeitete Lebensmittel oder Ersatzprodukte von Muttermilch, sollte gefördert werden.

Die Sonderausgabe der Zeitschrift »Addiction« wurde durch Alcohol Research UK und das Institute of Alcohol Studies finanziert. Die Autoren und Herausgeber der Sonderausgabe haben ihre Zeit dafür unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die Berichte entstanden durch die Arbeit von UK Health Forum mit dem Ziel, die führenden Positionen der EU und der USA für Alkoholpolitik zusammen zu bringen. Dies wurde durch die EU finanziert. Die jeweiligen Berichte wurden ausgearbeitet für ein Treffen zu Alkohol-Marketing, welches durch Pan American Health Organization (PAHO) organisiert wurde. Diese Sammlung von Berichten stellt auf höchstem Niveau die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu diesem Thema dar.

Quelle: Die Beiträge der Sonderausgabe von »Addiction: Alcohol marketing regulation: From research to public policy« können kostenlos bei der Wiley Online-Bibliothek heruntergeladen werden.

Interviewanfragen der Medien an den Chefherausgeber Professor Thomas Babor können telefonisch an +1 860 679 5459 oder per E-Mail an gerichtet werden.

Die Herausgeber

The UK Health Forum is a registered charity whose mission is to operate as a centre of expertise, working with and through their members to contribute to the prevention of the avoidable non-communicable diseases – coronary heart disease, stroke, type 2 diabetes, obesity, cancer, respiratory diseases and vascular dementia.

Alcohol Research UK is an independent charity that tackles alcohol-related harm by funding high quality, impartial research.

The Institute of Alcohol Studies is a registered charity (number 1112671) aiming to educate, preserve and protect the good health of the public by promoting the scientific understanding of beverage alcohol and the individual, societal and health consequences of its consumption and promoting measures for the prevention of alcohol-related problems and to promote, for the public benefit, research into beverage alcohol and to publish the useful results.

Titelbild AddictionAddiction is a monthly international scientific journal publishing peer-reviewed research reports on alcohol, illicit drugs, tobacco, and gambling as well as editorials and other debate pieces. Owned by the Society for the Study of Addiction, it has been in continuous publication since 1884. Addiction is the number one journal in the 2016 ISI Journal Citation Reports ranking in the substance abuse category for both science and social science editions.

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