Wer blau ist, sieht schneller rot

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Veröffentlicht am Mittwoch, 25. November 2015 Geschrieben von Frank Lindemann

Orange the World - Poster 2015

Dieses Jahr haben die Vereinten Nationen ihre 16 Aktionstage gegen geschlechter-basierte Gewalt unter das Motto gestellt: »Färbt die Welt orange: beendet die Gewalt gegen Frauen und Mädchen«. Das Wissen um Alkoholschäden und alkoholpolitische Maßnahmen können dabei eine wirkungsvolle Rolle spielen.

Die Zeit vom 25. November, dem Internationalen Tag zur Abschaffung der Gewalt gegen Frauen bis zum 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, eignet sich daher besonders gut, weltweit Aktionen gegen die Gewalt an Frauen und Mädchen zu beginnen. Dazu ruft der UN-Generalsekretär Ban Ki-moon Gemeinschaften, Aktivisten und die Zivilgesellschaften auf.

Orange Welt durch Alkoholpolitik

IOGT International und ihre Mitgliedsorganisationen unterstützen diesen Aufruf zur Bildung »oranger« Gemeinschaften. »Unsere weltweite Bewegung von begeisterten Meinungsführern und Aktivisten ist stolz, den Vereinten Nationen an diesem entscheidenden Tag zur Seite zu stehen und für die Freiheit von Frauen und Mädchen einzutreten«, sagt Kristina Šperková, Präsidentin von IOGT International.

»Gemeinsam mobilisieren wir Menschen überall auf der Welt, in ihrem Einflussbereich auf die durch Alkohol verursachten Schäden hinzuweisen und sich für die Umsetzung von Alkoholpolitik einzusetzen«, erklärt Šperková weiter.

IOGT International ist das erste weltweite Netzwerk gemeindenaher Interventionen und evidenzbasierter politischer Maßnahmen zur Verhinderung von alkoholbedingten Schäden und verfügt über 125 Mitgliedosrganisationen in 54 Ländern.

Wissenschaftliche Beweise zeigen, dass Alkohol ein Hauptrisikofaktor für Gewalt gegen Frauen darstellt. Die UN-Ziele nachhaltiger Entwicklung befassen sich im dritten Ziel (»Gesunde Leben sichern und Wohlbefinden fördern für alle Altersgruppen«) unter Punkt 5 mit Alkohol: »Stärkung von Prävention und Behandlung des Substanzmissbrauchs, einschließlich Drogenmissbrauch und schädlichem Alkoholgebrauch.« Die Globale Strategie zur Gesundheit von Frauen, Kindern und Heranwachsenden 2016–2030 befasst sich mit Alkoholpolitik, und zwar in der Empfehlung, Alkohol zu besteuern um ausreichende und nachhaltige Ressourcen zu gewinnen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) haben ein Projekt gestartet, politische Antworten auf Infektionskrankheiten, geschlechter-basierte Gewalt und schädlichen Alkoholkonsum zu integrieren. Weltweit wird jede dritte Frau in ihrem Leben geschlagen, zu Sex gezwungen oder anders missbraucht, mit Raten bis zu 70 % in einigen Ländern. Bis zu 80 % der Gewalt gegen Frauen und Mädchen kann mit Alkohol in Verbindung gebracht werden.

  • In Großbritannien sind 88 % der Fälle häuslicher Gewalt, einschließlich beidseitiger Täterschaft, alkoholbezogen.
  • In Argentinien stehen 68 % der Fälle häuslicher Gewalt mit Alkohol in Verbindung.
  • Diskussionen in ländlichen Testgruppen in Ruanda nennen Alkohol als Risikofaktor Nummer 1 zur Schürung häuslicher Gewalt.
  • Über 65 % der Frauen erleben Gewalt in ihrer Beziehung in Ländern wie Südafrika, Indien, Uganda, Vietnam und Simbabwe und schildern Alkoholkonsum des Täters.
  • In Brasilien stehen 70 % der gewalttätigen Beziehungstaten mit Alkohol in Zusammenhang.
  • Die wirtschaftlichen Kosten von Gewalt in Beziehungen werden in den Vereinigten Staaten mit jährlich 12,6 Mrd. Dollar beziffert, wobei die Täter in 55 % der Fälle unter Alkoholeinfluss stehen.

Der öffentliche Raum ist für Frauen und Mädchen ein unsicherer Ort geworden, an dem Gewalt und Belästigungen durch Alkohol befördert werden. »Alkoholpolitische Maßnahmen sind nicht der Königsweg, aber wichtige Werkzeuge im umfassenden Vorgehen gegen Gewalt an Frauen«, betont Šperková.

Orange the World»In den kommenden 16 Tagen werden unsere Mitglieder alles bewegen, um als Teil dieser weltweiten Kampagne die Nachricht in die Köpfe unserer politischen Führung zu bekommen: Wir müssen dringend handeln, um die Gewalt gegen Frauen zu beenden und alkoholpolitische Maßnahmen sind ein machtvolles Instrument zur Befreiung von Frauen und Mädchen.«

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